Bericht aus Brüssel - Aktuelle Meldungen aus der europäischen Wirtschaftspolitik
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Ausgabe Nr. 29
28.09.2026 
Bericht aus Brüssel
Die Woche in Brüssel: Freihandelsabkommen EU-Philippinen +++ Diversifizierung +++ Energieverbrauch von Rechenzentren
Liebe Leserinnen und Leser,
 
die grundsätzliche Einigung über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Philippinen – am vergangenen Dienstag von der Europäischen Kommission verkündet – ist ein wichtiges Signal für offenen, regelbasierten Handel und eine stärkere wirtschaftliche Verknüpfung Europas mit Südostasien. Die vorgesehene Liberalisierung von mehr als 94 Prozent der Zolltarifpositionen, die über 97 Prozent des Warenhandels abdecken, eröffnet europäischen Unternehmen bessere Absatz- und Investitionschancen – von Maschinen und Medizintechnik über Agrarprodukte bis zu erneuerbaren Energien. Zugleich können der erstmals geöffnete philippinische Beschaffungsmarkt und engere Verbindungen bei Halbleitern, Rohstoffen und Energie dazu beitragen, Lieferketten breiter und widerstandsfähiger aufzustellen. Entscheidend ist nun, die noch offenen technischen Fragen zügig zu klären und aus der politischen Einigung rasch verlässliche, praxistaugliche und tatsächlich nutzbare Marktbedingungen für Unternehmen zu machen.
 
Auch die europäische Halbleiterpolitik stand in der vergangenen Woche auf der Agenda: Beim Wettbewerbsfähigkeitsrat am 24. September haben die Mitgliedstaaten die Ziele des Chips Act 2.0 grundsätzlich begrüßt. Im Mittelpunkt standen eine Stärkung des europäischen Halbleiter-Ökosystems, weniger strategische Abhängigkeiten und mehr Investitionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Zugleich forderten die Minister einfache, verhältnismäßige und vorhersehbare Regeln, weniger administrative Belastungen sowie eine bessere Verzahnung von Forschung, Industrialisierung und Markteinführung. Bemerkenswert ist auch das klare Bekenntnis zu offenen Märkten und zur Zusammenarbeit mit verlässlichen internationalen Partnern. Genau hier setzt die DIHK an: Der Chips Act 2.0 kann einen wichtigen Beitrag leisten, um kritische Abhängigkeiten gezielt zu reduzieren. Neue Vorgaben für Unternehmen oder eine politisch verordnete Diversifizierung wären jedoch der falsche Weg. „Europa braucht vor allem bessere Rahmenbedingungen für Investitionen, Innovation und industrielle Wertschöpfung“, hatte die DIHK im Vorfeld des Rates betont. Wirtschaftliche Resilienz kann aus unserer Sicht nicht durch Abschottung erreicht werden. Entscheidend sind vielmehr bessere Standortbedingungen, neue Marktzugänge und Offenheit für Handel, Investitionen und neue Partner.
 
Die EU-Kommission hat vor wenigen Tagen ein einheitliches europäisches Bewertungssystem für die Energie- und Ressourceneffizienz von Rechenzentren vorgeschlagen. Es soll für einzelne Rechenzentren mit einer Leistung von mehr als 500 kW gelten und transparente Informationen über deren tatsächlichen Energie- und Wasserverbrauch bereitstellen. Berücksichtigt werden sollen darüber hinaus Beiträge zum Stromnetz, beispielsweise durch die Nutzung von Abwärme, zusätzliche Kapazitäten zur Erzeugung sauberer Energie und die Bereitstellung von Flexibilität. Hintergrund ist der geplante deutliche Ausbau der digitalen Infrastruktur: Die EU will ihre Rechenzentrumskapazitäten in den kommenden fünf bis sieben Jahren verdreifachen, um technologische Unabhängigkeit und digitale Souveränität zu stärken. Mit diesem Wachstum verbindet die EU-Kommission zugleich einen steigenden Energie- und Ressourcenbedarf sowie mögliche zusätzliche Belastungen der Stromnetze. Rechenzentren sollen deshalb möglichst energie- und wassereffizient betrieben und nachhaltig in das Energiesystem integriert werden.
 
Und auch in dieser Woche stehen viele, für die Wirtschaft relevante Termine auf der Agenda: So tagen unter anderem die EU-Verteidigungsminister in Brüssel und beraten über die weitere militärische Unterstützung der Ukraine, insbesondere bei der Luftverteidigung; zudem geht es um die zunehmenden hybriden Bedrohungen. Daneben beraten die Minister über die Entwicklungen im Nahen Osten und deren Folgen für Europas Sicherheit sowie über die anstehende Überarbeitung der europäischen Richtlinie zur Vergabe öffentlicher Aufträge im Verteidigungsbereich.
 
Die Energieminister treffen sich in Dublin zu informellen Diskussionen zu Bezahlbarkeit und Sicherheit der Energieversorgung. Vor allem letzteres Thema betrifft bekanntermaßen nahezu alle Unternehmen – Grund genug, Sie darüber auf dem Laufenden zu halten.
 
Ihre Freya Lemcke
 
Leiterin der DIHK Brüssel
Inhalt
"Weniger Regulierung!" – Deutlicher Appell rund der Hälfte der EU-Mitgliedstaaten
Geänderte European Sustainability Reporting Standards im Amtsblatt veröffentlicht
Freiwillig anwendbarer Standard für die Nachhaltigkeitsberichterstattung in Kraft
Berichtigung der Änderung der delegierten Prospektverordnung (Wertpapiere)
Rat beschließt Verhandlungsmandat zur Marktstabilitätsreserve
ETS-Revision und CBAM: Parlament bezieht Stellung zum Vorschlag der Kommission
Konferenz: PPWR im Praxis-Check
DIHK-Vorschläge zum Umgang mit Exportbeschränkungen für metallische Abfälle und Schrottmaterialien
Agenda zu den Sitzungen der EU-Institutionen
Zahl der Woche
Binnenmarkt
"Weniger Regulierung!" – Deutlicher Appell rund der Hälfte der EU-Mitgliedstaaten

©MarianVejcik / iStock / Getty Images Plus

Unter der Federführung Österreichs haben sich 13 EU-Mitgliedstaaten, inklusive Deutschland, erneut für mehr gesetzgeberische Zurückhaltung auf EU-Ebene ausgesprochen. In einem gemeinsamen Schreiben fordern sie einen konsequenten Abbau ungerechtfertigter administrativer Belastungen und eine stärkere Vereinfachung der EU-Regulierung.
 
 
  
Geänderte European Sustainability Reporting Standards im Amtsblatt veröffentlicht

©wutwhanfoto / iStock / Getty Images Plus

Die im Zusammenhang mit dem sogenannten Omnibus-Verfahren I zur Nachhaltigkeitsberichterstattung überarbeiteten Nachhaltigkeitsberichterstattungsstandards sind am 21. September 2026 im Amtsblatt L veröffentlicht worden.
 
 
  
Freiwillig anwendbarer Standard für die Nachhaltigkeitsberichterstattung in Kraft

©Sakorn Sukkasemsakorn / iStockphoto / Getty Images

Der Voluntary Standard (VS, Freiwilliger Standard) soll Unternehmen einen einfachen und standardisierten Rahmen für die Bereitstellung von Nachhaltigkeitsinformationen bieten und gleichzeitig dazu beitragen, den sogenannten Trickle-down-Effekt entlang der Wertschöpfungsketten zu begrenzen.
 
 
  
Berichtigung der Änderung der delegierten Prospektverordnung (Wertpapiere)

©Giuliano Benzin / iStock / Getty Images Plus

Die delegierte Verordnung (EU) 2019/980 wurde durch die delegierte Verordnung (EU) 2026/1061 geändert.
 
 
  
Energie & Umwelt
Rat beschließt Verhandlungsmandat zur Marktstabilitätsreserve

©NicoElNino / iStock / Getty Images

Am 23. September veröffentlichte der Ausschuss der Ständigen Vertreter (AStV) einen Text, in dem die Position des Rates für die Verhandlungen über die Änderung des Beschlusses (EU) 2015/1814 hinsichtlich des Gültigkeitszerfalls von Zertifikaten in der Marktstabilitätsreserve festgelegt wurde.
 
 
  
ETS-Revision und CBAM: Parlament bezieht Stellung zum Vorschlag der Kommission

©Rafmaster / Creative / Getty Images

Das Europäische Parlament hatte in seiner Plenarsitzung am 15. September seine Position zu mehreren Vorschlägen der Europäischen Kommission zur Weiterentwicklung des EU-Emissionshandels beschlossen.
 
 
  
Konferenz: PPWR im Praxis-Check

©Bet_Noire / Creative / Getty Images

Seit dem 12. August gilt die europäische Verpackungsverordnung (PPWR) EU-weit und stellt viele Betriebe vor große Herausforderungen. Eine DIHK-Konferenz in Berlin stellt erste Praxiserfahrungen vor und bringt Wirtschaft und Politik ins Gespräch.
 
 
  
Kurz notiert
DIHK-Vorschläge zum Umgang mit Exportbeschränkungen für metallische Abfälle und Schrottmaterialien
Kritische Rohstoffe werden knapper. Daher belegen immer mehr Staaten sie mit Exportbeschränkungen: Die Zahl entsprechender Maßnahmen hat sich nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) seit 2009 verfünffacht. Zwischen 2022 und 2024 unterlagen rund 70 Prozent der weltweiten Exporte von Kobalt und Mangan mindestens einer Ausfuhrbeschränkung. Neben China und Indien setzen zunehmend auch Schwellenländer wie Argentinien, Vietnam und Burundi solche Maßnahmen ein; im August 2026 haben auch die USA Exportbeschränkungen für Batterie- und andere Schrotte erlassen.
 
Die EU hat sich in den vergangenen Jahren vom Netto-Importeur zum Exporteur von Metallschrotten entwickelt, was in Brüssel die Debatte über eigene Beschränkungen befeuert. Ziel ist es, Recyclingkapazitäten aufzubauen, die Kreislaufwirtschaft zu stärken und die Rohstoffversorgung der europäischen Industrie zu sichern. Die deutsche Wirtschaft ist von Exportbeschränkungen doppelt betroffen: als Importeur kritischer Rohstoffe aus Drittstaaten und potenziell als Exporteur von Sekundärrohstoffen in Drittmärkte.
 
Die DIHK warnt in einem aktuellen Papier vor den Risiken eigener EU-Exportverbote und legt konkrete Vorschläge vor, wie die Rohstoffversorgung der deutschen Wirtschaft besser gesichert werden kann.
 
Zu guter Letzt
Agenda zu den Sitzungen der EU-Institutionen
Die Termine von Montag, 28. September bis Freitag, 02. Oktober 2026.
 
 
  
Zahl der Woche
23,8 ... 
 
Im August 2026 stiegen die Preise für Kraftstoffe und Motoröle für den privaten Verkehr in der EU um 23,8 Prozent gegenüber August 2025. Bereits im Juni (+13,7 Prozent) und Juli (+16,9 Prozent) waren deutliche Preissteigerungen im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat zu verzeichnen.
 
In 26 der 27 EU-Mitgliedstaaten lagen die Kraftstoffpreise im August 2026 über dem Niveau des Vorjahres. Die höchsten Zuwächse gab es in Bulgarien (+34,5 Prozent), Litauen (+28,8 Prozent), Finnland (+27,6 Prozent), Deutschland (+27,5 Prozent) und Frankreich (+27,4 Prozent). Die geringsten Preissteigerungen wurden in Ungarn (+1,3 Prozent), Schweden (+6,1 Prozent) und Irland (+11,7 Prozent) registriert.
 
Hier erfahren Sie mehr.
 
 
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