Bericht aus Brüssel - Aktuelle Meldungen aus der europäischen Wirtschaftspolitik
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Ausgabe Nr. 14
20.04.2026 
Bericht aus Brüssel
Die Woche in Brüssel: DIHK-Position zur Savings- and Investment Union +++ DIHK-Sonderauswertungen zum Nahostkonflikt und Auslandsinvestitionen +++ Deutsch-Britisches Wirtschaftsforum
Liebe Leserinnen und Leser,
 
Geopolitische Unsicherheiten, Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Klimatransformation: Die Unternehmen in Deutschland und Europa stehen unter starkem Wettbewerbsdruck und haben einen hohen Investitionsbedarf. Doch der Weg zu frischem Geld ist schwierig. Aus diesem Grund hat die EU-Kommission schon im letzten Jahr ihren Vorschlag für einen einheitlichen europäischen Kapitalmarkt - einer Spar- und Investitionsunion (SIU) - vorgelegt. „Ziel ist ein integrierter europäischer Kapitalmarkt, der Unternehmen in allen Phasen Zugang zu ausreichendem und günstigem Kapital bietet. Etablierte Unternehmen können davon genauso profitieren wie Start-ups und Scale-ups, die bereits in einer starken Wachstumsphase sind. Es gilt, private Ersparnisse produktiver zu nutzen, Risiken effizienter zu teilen und unnötige Bürokratie schneller abzubauen. So kann die internationale Wettbewerbsfähigkeit Europas nachhaltig gestärkt werden“, erklärt Rainer Kambeck, Bereichsleiter Wirtschafts- und Finanzpolitik, Mittelstand der DIHK. Damit der SIU maximale Ergebnisse erzielen kann, empfiehlt die DIHK in ihrem Positionspapier einen pragmatischen und ausgewogenen Ansatz, der die etablierten, bewährten Stärken der nationalen Wirtschaftsstrukturen respektiert und mit einem geringen Maß an regulatorischen Eingriffen auskommt. Lesen Sie mehr dazu in dem Beitrag von Alexander Dern.
 
Der Konflikt im Nahen Osten belastet die Geschäfte deutscher Unternehmen im Ausland massiv. 85 Prozent berichten von spürbaren Auswirkungen oder rechnen damit. Das zeigt eine DIHK-Sonderauswertung des „AHK World Business Outlook“ auf Basis von rund 4.500 weltweit befragten deutschen Unternehmen im Ausland. Die Rückmeldungen der Betriebe zeichnen ein klares Bild: Steigende Energiepreise und Störungen der Lieferketten prägen die aktuelle Lage vieler Unternehmen. „Die wirtschaftlichen Folgen treffen die Unternehmen bereits mit voller Wucht“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. „Der Konflikt wirkt global. Er erhöht den Kostendruck, verschärft die Risiken und bremst Investitionen spürbar.“ Mehr als die Hälfte der Unternehmen weltweit berichtet von Störungen in den Lieferketten. In der Golfregion sind es sogar rund drei Viertel. In der EU meldet etwa jedes zweite Unternehmen Probleme, in Nordamerika sind es immerhin 42 Prozent. Die Ursachen sind vielfältig: unterbrochene Transportwege, eingeschränkte Luftfracht, gestörte Logistik.
 
Der Nahostkonflikt hat auch einen starken Einfluss auf die Investitionen der deutschen Industrie: In diesem Jahr planen 43 Prozent der Industriebetriebe Investitionen außerhalb von Deutschland – im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um 3 Prozentpunkte. Das ist das Ergebnis einer Sonderauswertung unter 1.700 Industrieunternehmen aus der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage. Die Umfrage zeigt deutliche Veränderungen in den Zielregionen deutscher Auslandsinvestitionen. Besonders Nordamerika verliert an Attraktivität. Gleichzeitig nimmt das Engagement in Asien wieder zu. In China steigt der Anteil der investierenden Industrieunternehmen von 31 auf 34 Prozent. Auch die Region Asien/Pazifik (ohne China) gewinnt an Bedeutung und wächst von 21 auf 26 Prozent. "Der Zollkonflikt mit den USA schürt Unsicherheiten und führt dazu, dass Unternehmen Entscheidungen vertagen. In Asien setzen die Unternehmen wieder stärker auf ‘local for local‘– insbesondere in China und Indien", bewertet der DIHK-Außenwirtschaftschef die Ergebnisse. Die Eurozone bleibt bei weitem mit 64 Prozent die wichtigste Region für deutsche Auslandsinvestitionen. Ihre Stabilität, der gemeinsame Binnenmarkt und die gemeinsame Währung bieten verlässliche Rahmenbedingungen. Gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten ist das ein nicht zu unterschätzender Faktor bei Investitionsentscheidungen.
 
Die deutsch-britischen Wirtschaftsbeziehungen gewinnen in einem zunehmend geopolitisch geprägten Umfeld weiter an Bedeutung: Fragen der wirtschaftlichen Resilienz, der industriellen Zusammenarbeit und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit rücken stärker in den Fokus. Vor diesem Hintergrund findet am 27. April im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin das Germany-UK Business-Government Forum statt. Mehr zu den deutsch-britischen Wirtschaftsbeziehungen lesen Sie im aktuellen Thema der Woche.
 
Wichtiger Termin diese Woche ist neben dem Rat für Auswärtige Angelegenheiten am 21. April das informelle Gipfeltreffen der 27 EU-Staats- und Regierungschefs in Zypern. Auf der Tagesordnung stehen u. a. Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Situation im Nahen Osten sowie der mehrjährige Finanzrahmen.
 
Ihre Freya Lemcke
 
Leiterin der DIHK Brüssel
Inhalt
Was bringt die Spar- und Investitionsunion?
EU-Emissionshandel 2: Ausschuss legt Position zur Stärkung der Marktstabilität fest
Europas Kreislaufwirtschaft wird neu geordnet — wie Unternehmen dabei mitreden
STEP: Dialog zur Umsetzung und Bilanz nach zwei Jahren
EU stärkt Verteidigungsindustrie mit EDIP und EDF
Deutsch-britische Wirtschaftsbeziehungen: Friends with benefits!
Trilogeinigung zu EU-Stahlmaßnahmen
Horizon Europe: Einschränkungen bei Kooperationen mit China
Minderjährige im Netz: EU-Kommission stellt neue App zur Altersverifizierung vor
EU-Kommission: Implementierungsdialog zum Chips Act
EU geht gegen gedumpte Einfuhren von Nadelholz-Sperrholz vor
Glasfaser: EU geht gegen unlauter gehandelte Importe vor
Agenda zu den Sitzungen der EU-Institutionen
Zahl der Woche
Kapitalmarkt
Was bringt die Spar- und Investitionsunion?

©Matthias Kulka / The Image Bank / Getty Images

Aufschwung braucht Kapital. Die europäische "Savings and Investmentunion" soll bessere Bedingungen für die Unternehmensfinanzierung schaffen. In einer Position von April 2026 unterbreitet die DIHK Empfehlungen für den Prozess.
 
 
  
Energie & Umwelt
EU-Emissionshandel 2: Ausschuss legt Position zur Stärkung der Marktstabilität fest

©Santipong Poodok / Getty Images

Der Umweltausschuss des EU-Parlaments hat am 15. April seine Position für die Reserve im neuen EU-Emissionshandel (ETS2) festgelegt. Ziel sei die Abfederung von Preisschocks. Angesichts nationaler CO₂-Preise ist eine Harmonisierung sowie eine europaweite Einführung des ETS2 ab 2028 für viele deutsche Unternehmen von Relevanz.
 
 
  
Europas Kreislaufwirtschaft wird neu geordnet — wie Unternehmen dabei mitreden

©Galeanu Mihai / iStock / Getty Images

Die Europäische Kommission arbeitet derzeit am "Circular Economy Act" (CEA), mit dem sie die Kreislaufwirtschaft in Europa neu ausrichten und stärken will. Ein Gesetzentwurf liegt noch nicht vor, die Wirtschaft kann ihre Praxiserfahrungen also jetzt in die Ausgestaltung einbringen.
 
 
  
Wettbewerbsfähigkeit
STEP: Dialog zur Umsetzung und Bilanz nach zwei Jahren

©Santiago Urquijo / Moment / Getty Images

Im Rahmen eines hochrangigen Dialogs zur Implementierung tauschte sich die EU-Kommission mit Stakeholdern über die seit zwei Jahren laufende Plattform für strategische Technologien für Europa (STEP) aus. Insbesondere der Zugang über das STEP-Portal soll als Blaupause für den zukünftigen Europäischen Wettbewerbsfähigkeitsfonds dienen.
 
 
  
Verteidigung
EU stärkt Verteidigungsindustrie mit EDIP und EDF

©Marzia Cosenza/Europäische Union, 2025

Die Europäische Kommission hat ihre industriepolitischen Aktivitäten im Verteidigungsbereich weiter konkretisiert: Das neue Arbeitsprogramm des European Defence Industry Programms (EDIP) und die aktuellen Förderzusagen des European Defence Fund (EDF) zielen auf mehr industrielle Kapazitäten, Kooperation und technologische Souveränität.
 
 
  
International
Deutsch-britische Wirtschaftsbeziehungen: Friends with benefits!

©SunnyGraph / Getty Images

Brexit-Folgen, geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Risiken prägen die deutsch-britischen Wirtschaftsbeziehungen. Trotz erster Erholung bleibt das Handelsniveau hinter früheren Werten zurück – während zugleich neue Ansätze für engere Kooperation an Bedeutung gewinnen, auch im Rahmen des Germany-UK Business-Government Forum.
 
 
  
Trilogeinigung zu EU-Stahlmaßnahmen

©Buena Vista Images / Stone / Getty Images

Am 13. April haben der Ratsvorsitz und das Europäische Parlament eine vorläufige Einigung über eine Verordnung erzielt, mit der die negativen handelsbezogenen Auswirkungen globaler Überkapazitäten auf den EU-Stahlmarkt bekämpft werden sollen.
 
 
  
Kurz notiert
Horizon Europe: Einschränkungen bei Kooperationen mit China
Die Bundesregierung hat dem Arbeitsprogramm 2026–2027 des EU-Forschungsrahmenprogramms Horizon Europe zugestimmt. Es sieht u. a. Einschränkungen für die Beteiligung chinesischer Einrichtungen in ausgewählten Bereichen vor, etwa bei Gesundheit, Sicherheit sowie Digitalisierung und Industrie. Hintergrund ist der Schutz strategischer Interessen der EU.
Für Unternehmen bedeutet dies vor allem strengere Anforderungen bei internationalen Forschungs- und Innovationskooperationen. Bei der Bewertung von EU-Partnerschaften mit Drittstaaten spielen künftig Aspekte wie Dual-Use-Potenziale, wirtschaftliche Verwertbarkeit und mögliche Abhängigkeiten eine größere Rolle. Größere Auswirkungen auf die Beteiligung deutscher Akteure an EU-Projekten sind jedoch nicht zu erwarten.
 
 
Minderjährige im Netz: EU-Kommission stellt neue App zur Altersverifizierung vor
Insbesondere im Rat und Parlament wird schon länger darüber diskutiert, wie man Minderjährige vor schädlichen Inhalten im Netz schützen kann. Hier geht es beispielsweise um Themen wie Cybermobbing und süchtig machendes Website-Design. Die neue EU-App soll es ermöglichen, durch Verknüpfung mit Pass oder Personalausweis anonym das Alter auf Websites nachweisen zu können. Kritik hierzu kam vor allem von Verbraucherschützern. Wichtig für die Wirtschaft: Für Online-Plattformen und weitere Unternehmen bleibt die Anwendung und Akzeptanz der App freiwillig. Die Ankündigung bettet sich aber in eine größere Debatte um Social Media-Sperren ein – hier könnten künftig noch verbindliche Regeln erarbeitet werden.
 
EU-Kommission: Implementierungsdialog zum Chips Act
Im Rahmen eines von der Europäischen Kommission organisierten Umsetzungsdialogs zum EU Chips Act diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Mitgliedstaaten und EU Institutionen Ende März 2026 den bisherigen Stand der Umsetzung sowie mögliche Weiterentwicklungen des Rechtsrahmens. Vor diesem Hintergrund übergab eine von der Kommission ins Leben gerufene Industrie-Allianz einen Bericht. Aus Sicht der Industrie habe der EU Chips Act die strategische Bedeutung von Halbleitern gestärkt und Investitionen angestoßen. Gleichzeitig sehen aber Unternehmen strukturelle Defizite, so die Einschätzung der Industry Advisory Group (IAG). Sie fordern schnellere Verfahren, eine stärkere Nachfrageseite und eine breiter angelegte Industriepolitik für Halbleiter.
Zentral sei aus Industriesicht eine stärkere Ausrichtung auf Nachfrage und Markthochlauf: Neben dem Kapazitätsaufbau sollen Anwenderindustrien unter anderem durch öffentliche Beschaffung, Abnahmezusagen und eine bessere Verzahnung mit Digital und KI Politik eingebunden werden. Zudem fordert der Bericht eine Ausweitung des First of a Kind Instruments auf die gesamte Wertschöpfungskette – von Design und Entwicklung bis zu Ausrüstern. Genehmigungs und Beihilfeverfahren sollen deutlich beschleunigt werden. Bei Forschung und Entwicklung plädiert die Allianz für stärker industriegetriebene Prioritäten und kürzere Innovationszyklen. Querschnittlich werden wettbewerbsfähige Energiepreise, weniger Bürokratie, Fachkräftemaßnahmen und ein gebündeltes EU Halbleiterbudget gefordert.
 
 
EU geht gegen gedumpte Einfuhren von Nadelholz-Sperrholz vor
Die EU-Kommission hat am 15. April Antidumpingzölle auf Einfuhren von Nadelholz-Sperrholz aus Brasilien in die EU verhängt. Die endgültigen Antidumpingzölle betragen 5,4 Prozent für alle brasilianischen Ausführer mit Ausnahme eines Unternehmens, bei dem kein Dumping festgestellt wurde. Vorläufige Zölle in gleicher Höhe gelten bereits seit dem 4. November 2025. Die Einführung der endgültigen Zölle folgt auf eine Untersuchung, bei der festgestellt wurde, dass Nadelholz-Sperrholz aus Brasilien zu gedumpten Preisen in die EU eingeführt wurde.
 
Glasfaser: EU geht gegen unlauter gehandelte Importe vor
Am 15. April hat die EU-Kommission Antidumpingzölle auf Einfuhren von Endlosglasfasern (GFR) aus Ägypten, Bahrain und Thailand in die EU verhängt. Die festgesetzten endgültigen Antidumpingzölle betragen 11,0 Prozent für Ägypten und 11,8 Prozent für Bahrain. Für Thailand liegen sie zwischen 15,3 Prozent und 25,4 Prozent. Die Einführung der endgültigen Zölle folgt auf eine Untersuchung, bei der festgestellt wurde, dass GFR-Einfuhren aus den drei betroffenen Ländern zu gedumpten Preisen in die EU gelangten.
 
Zu guter Letzt
Agenda zu den Sitzungen der EU-Institutionen
Die Termine von Montag, 20. April bis Freitag, 24. April 2026.
 
 
  
Zahl der Woche
2,7 … 
 
... Milliarden Euro stellt die EU-Kommission für 54 Projekte der sauberen Industrie im Rahmen des Innovationsfonds bereit. Der Fonds unterstützt die Einführung von Netto-Null-Technologien in ganz Europa mit Einnahmen aus dem EU-Emissionshandelssystem (EU ETS). 54 Projekte, die im Rahmen des Innovation Fund 2024 Call for Net-Zero Technologies ausgewählt wurden, haben ihre Förderverträge unterzeichnet und markieren damit einen entscheidenden Schritt zur Skalierung ihrer Technologien. Die ausgewählten Projekte kommen aus 17 Ländern und 17 verschiedenen Industriesektoren.
 
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