Brexit News - Aktuelle Informationen zum Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU
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Ausgabe Nr. 03 / 2020 
Brexit News
Liebe Leserinnen und Leser,
 
auch auf die Verhandlungen über die künftigen Beziehungen der EU mit dem UK hat der Corona-Virus direkten Einfluss. Sollten beide Seiten eigentlich intensiv am Verhandlungstisch versuchen, Differenzen zu überwinden, um schnellstmöglich ein umfassendes Abkommen auf die Beine zu stellen, wurde die zweite Verhandlungsrunde in London verschoben – auf unbestimmte Zeit. Für die Unternehmen bleibt indes die Unsicherheit, dass sie möglicherweise zum 1. Januar 2021 vor einem „Non-negotiated-outcome“ bzw. einem „No-Deal-Szenario“ mit weitreichenden wirtschaftlichen Konsequenzen stehen.
 
Alle weiteren Informationen rund um den Brexit erfahren Sie in unserem aktuellen Newsletter.
 
Viel Spaß beim Lesen,
Mathias Dubbert
Inhalt
Thema des Monats
DIHK-Sonderauswertung: Auswirkungen des Brexit
Hier die wesentlichen Ergebnisse:
Wichtige Entwicklungen
UK Logistikindustrie fordert Verlängerung der Übergangsphase
Coronavirus: EU-Kommission genehmigt Förderprogramme für UK
Weinverband fordert zollfreies Abkommen mit UK
Corona-Krise: Laut Umfrage fallen die Geschäftsaktivitäten in UK auf Rekordtief
Auswirkungen des Coronavirus auf die britische Wirtschaft
UK akzeptiert Einreisebeschränkungen der EU nicht
Parlamentsabgeordnete fordern UK zur Verlängerung der Übergangsphase auf
Kosten der Brexit-Vorbereitungen für den britischen Steuerzahler
UK veröffentlicht Handelsgesetzgebung zum Brexit
Verhandlungen über die zukünftigen Beziehungen
EU-Kommission legt Entwurf für künftige Partnerschaft mit UK vor
UK legt Entwurf für zukünftige Partnerschaft mit der EU vor
Europäische Kommission veröffentlicht Hinweise für Unternehmen
Europäisches Parlament: Neue Übersicht über den Stand der Brexit-Verhandlungen
Hintergrundinformationen
Brexit-Umfrage der Bergischen IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid
Statistisches Bundesamt: Rückgang der Exporte im Januar
UK: Ausschuss für Nordirland-Angelegenheiten leitet Untersuchung der Zollpläne ein
Brexit trübt Stimmung in der britischen Ernährungswirtschaft
Brexit: UK will sich nicht mehr am Gemeinschaftspatent beteiligen
Herausforderungen für die britische Industrie
Studie: Harter Brexit verteuert Lebensmittel
Volkswirtschaftliche Kennzahlen Großbritannien
Thema des Monats
DIHK-Sonderauswertung: Auswirkungen des Brexit
Ende März hat der DIHK die Studie „Auswirkungen des Brexit“ vorgestellt. Die Sonderauswertung der bundesweiten Umfrage „Going International 2020“ ist mit Unterstützung von 79 Industrie- und Handelskammern (IHKs) in Deutschland erstellt worden. Die Ergebnisse der vorliegenden Sonderauswertung zum Brexit basieren auf den Antworten von rund 1.500 Unternehmen, die mit dem Vereinigten Königreich geschäftlich in Verbindung stehen.
 
 
Hier die wesentlichen Ergebnisse:
1.) Der deutsch-britische Handel ist seit dem Brexit-Referendum im Sommer 2016 rückläufig. Fast vier Jahre nach dem Referendum und trotz offiziellem EU-Austritt Ende Januar 2020 ist noch immer unklar, wie die zukünftigen Handelsbeziehungen aussehen werden. Zwar sorgt die Übergangsphase bis zum 31. Dezember 2020 für den Erhalt des Status Quo in den wirtschaftlichen Beziehungen, jedoch muss bis dahin ein Abkommen mit den Briten fertig sein. Dementsprechend verunsichert zeigt sich die deutsche Wirtschaft: 58 Prozent der Unternehmen erwarten 2020 – unabhängig von den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie – für ihre Geschäfte mit dem Vereinigten Königreich eine Verschlechterung. Neben den befürchteten Zöllen, höheren Kosten und mehr Bürokratie durch den EU-Austritt ist eine vergleichsweise schwache Wirtschaftsentwicklung auf der britischen Insel ein Grund für die negativen Geschäftsperspektiven.
 
2.) 15 Prozent der Betriebe planen Investitionsverlagerungen vom Vereinigten Königreich in andere Staaten – vornehmlich nach Deutschland und in andere EU-Länder. Vier von fünf Unternehmen sorgen sich um zusätzliche Zollbürokratie. Daneben bilden höhere Kosten durch Zölle und Einfuhrsteuern sowie die rechtliche Unsicherheit die größten Risikofaktoren. Zölle und zusätzliche Zollbürokratie würden im Falle eines harten Brexit zu Mehrbelastungen in Milliardenhöhe führen.
 
Die ausführliche Umfrage finden Sie hier.
 
 
 
Wichtige Entwicklungen
UK Logistikindustrie fordert Verlängerung der Übergangsphase
Die Freight Transport Association (FTA), Vertretung der britischen Logistik, hat am 25. März eine Verlängerung der Brexit-Übergangsphase gefordert, damit sie sich in erster Linie auf die Probleme konzentrieren könne, die die COVID-19-Pandemie der Branche auferlegt. Laut einem Statement stehe die Logistik vor noch nie dagewesenen Herausforderungen, sowohl in Bezug auf die Versorgung der britischen Wirtschaft mit notwendigen Gütern als auch in Bezug auf die Bewältigung des zunehmenden Mangels an Personal. Die Spediteure seien überdies in den letzten Wochen durch die stark gestiegene Nachfrage nach Lebensmitteln und lebensnotwendigen Gütern in den Supermärkten verstärkt unter Druck geraten.
 
Coronavirus: EU-Kommission genehmigt Förderprogramme für UK
Die Europäische Kommission hat am 25. März zwei getrennte staatliche Beihilfeprogramme des UK zur Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) genehmigt. Das UK hatte auf Grundlage des befristeten Rahmens zwei verschiedene Regelungen zugunsten vom Corona-Ausbruch betroffener KMU bei der Kommission unter der Bezeichnung „Coronavirus Business Interruption Loan Scheme“ angemeldet. Dabei sollen u. a. für KMU mit einem Umsatz von bis zu 45 Millionen Pfund Garantien für 80 Prozent der Darlehensfazilitäten gewährt werden. Außerdem werden im Rahmen einer zweiten Förderregelung direkte Zuschüsse mit Mitteln bis zu 600 Millionen Pfund zur Verfügung gestellt. Gemäß des Austrittsabkommens der EU mit UK gelten die EU-Beihilfevorschriften auch während der Übergangsphase.
 
Weinverband fordert zollfreies Abkommen mit UK
In einem gemeinsamen Statement vom 23. März haben das Comité Européen des Entreprises Vins (CEEV) und die britische Wine and Spirit Trade Association (WSTA) ihre Erwartung an ein künftiges Abkommen zwischen der EU und dem UK bekräftigt. Es habe höchste Priorität, den Handel mit Wein und Weinprodukten zollfrei über den Ärmelkanal zu ermöglichen. Die Verbände fordern zudem die Verhandlungsführer dazu auf, die vollständige Angleichung ihrer Weinregelungen und einen bilateralen Weinausschuss zu garantieren. Eine weitere Priorität sei es, den Handel so reibungslos wie möglich zu gestalten, ohne großen bürokratischen Aufwand und mit vereinfachten Einfuhr- und Umlaufverfahren. Das UK ist der zweitgrößte Weinimporteur der Welt und ein Schlüsselmarkt für europäische Weinerzeuger, die 25 Prozent ihrer Exporte im Wert von 2,8 Milliarden Euro pro Jahr ins UK verkaufen.
 
Corona-Krise: Laut Umfrage fallen die Geschäftsaktivitäten in UK auf Rekordtief
Die Geschäftsaktivitäten sind in UK auf ein Rekordtief gefallen, so eine Umfrage von IHS Markit vom 24. März. Der zusammengesetzte IHS Markit Flash UK-Einkaufsmanagerindex – ein Durchschnittswert für den gesamten Fertigungs- und Dienstleistungssektor – fiel im März auf 37,1 Punkte, dem niedrigsten Stand seit Beginn der Umfrage im Juli 1996. Dies entspricht einem starken Rückgang zum Vormonat Februar, als der Wert noch bei 53 Punkten lag. Allein der Dienstleistungssektor, der etwa 80 Prozent der britischen Wirtschaft ausmacht, fiel auf 35,7 Punkte. Im Vormonat Februar lag der Wert noch bei 53,2 Punkten. Aus der Umfrage geht zudem hervor, dass die Beschäftigung in der verarbeitenden Industrie und im Dienstleistungssektor in einem Ausmaß zurückgegangen ist, das seit Juli 2009 so nicht mehr beobachtet wurde. Ökonomen warnen, dass die Corona-Krise zu einer „sehr tiefen Rezession“ im UK führen werde.
 
Auswirkungen des Coronavirus auf die britische Wirtschaft
Am 3. März veröffentlichte die britische Regierung ihren „Corona virus action plan.“ Damit reagierte die Regierung auf die zunehmenden Infektionszahlen in UK und eine drohende schwächelnde Wirtschaftsaktivität. Britische Ökonomen sehen unter anderem im historischen Einbruch des Suppliers Delivery Times Index im Februar 2020 eine Vorwarnung gestörter Lieferketten, die in den nächsten Monaten die britische Produktion treffen könnten. Erste Auswirkungen und entsprechende Konsequenzen zog der britische Maschinenhersteller JCB, der Mitte Februar die Arbeitszeit seiner 4000 Mitarbeiter um 5 Stunden pro Woche kürzte.
 
UK akzeptiert Einreisebeschränkungen der EU nicht
Am 16. März haben die EU-Mitgliedstaaten, bis auf Irland, einstimmig den Vorschlag der Kommission zur vorübergehenden Einreisebeschränkung von Nicht-EU-Bürgern angenommen. Laut EU-Mitteilung wird das UK nicht von diesen Beschränkungen betroffen sein. Am 18. März teilte die EU-Kommission außerdem mit, dass das UK die Umsetzung der EU-Maßnahmen zur Einreisebeschränkung ablehne. Frankreich erwähnte in diesem Zusammenhang, eine Ausweitung der Einreisebeschränkung auf britische Bürger zu prüfen. Die Vorsitzende des Ausschusses für Verkehr und Tourismus des Europäischen Parlaments, Karima Delli, empfahl Kommissionspräsidentin von der Leyen in einem Schreiben aufgrund der mangelnden Maßnahmen des UK, vorübergehend die See-, Bahn- und Luftgrenzen der EU zum UK zu schließen.
 
Parlamentsabgeordnete fordern UK zur Verlängerung der Übergangsphase auf
Das Europäische Parlament hat am 19. März in Form eines Statements des Brexit-Beauftragten des Europäischen Parlaments, David McAllister, den Verhandlungs-Entwurf des Brexit-Chefunterhändlers Barnier unterstützt. Zudem forderten einige Parlamentarier das UK dazu auf, die Brexit-Übergangsphase frühzeitig zu verlängern. Dies solle in London unter den gegebenen Umständen erneut sorgfältig geprüft werden. Die EU sei bereit, die Übergangsphase bis maximal 2022 zu verlängern, wie es im Ausstiegsabkommen vereinbart wurde.
 
Kosten der Brexit-Vorbereitungen für den britischen Steuerzahler
Der britische Rechnungshof legte am 6. März offen, wie viel Geld die bisherigen Brexit-Vorbereitungen den britischen Steuerzahler bereits gekostet haben. Laut Berechnung habe der Austritt des UK aus der Europäischen Union den britischen Steuerzahler mindestens 4,4 Milliarden Pfund gekostet. Die Ausgaben umfassen dem Rechnungshof zufolge 1,9 Milliarden Pfund an Personalkosten – u. a. für das eigens geschaffene Brexit-Ministerium –, 1,5 Milliarden Pfund für die Einführung neuer Systeme und Infrastruktur sowie 288 Millionen Pfund für externe Berater. Nicht eingerechnet sind die Kosten, die durch ein geringeres Wirtschaftswachstum entstanden sind.
 
UK veröffentlicht Handelsgesetzgebung zum Brexit
Die britische Regierung hat ihre Handelsgesetzgebung veröffentlicht, die sicherstellen soll, dass das UK die 20 Kontinuitätsabkommen umsetzen kann, die es mit anderen Ländern unterzeichnet hat, welche 16 Prozent des gesamten britischen Handels ausmachen. Die Gesetzgebung wird auch den Zugang zu staatlichen Beschaffungsaufträgen mit 48 anderen Mitgliedern der Welthandelsorganisation regeln und eine neue Behörde für Handelsbeschwerden einrichten, um Streitigkeiten über Wettbewerbsfragen wie die Importflut zu lösen.
 
Verhandlungen über die zukünftigen Beziehungen
EU-Kommission legt Entwurf für künftige Partnerschaft mit UK vor
Der Brexit-Chefunterhändler Michel Barnier hat am 18. März einen Entwurf für die künftige Partnerschaft mit UK vorgelegt. Dabei handelt es sich um einen 440 Seiten umfassenden Vorschlag, in dem neben Handelsregeln weitere für die Wirtschaft relevante Bereiche, wie Transport, Datenaustausch oder Fachkräfte-Mobilität aufgeführt werden. Dem Entwurf liegt ein separates Dokument mit einer 17-seitigen Vereinbarung im Bereich der Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik bei. Zentrale Forderungen bleiben EU-Standards für Staatsbeihilfen, Umwelt-, Arbeits- und Qualitätsstandards. Die Kommission setzt damit die von den Mitgliedstaaten beschlossenen Verhandlungsrichtlinien um.
 
 
UK legt Entwurf für zukünftige Partnerschaft mit der EU vor
Laut Aussage eines Sprechers des Westminsters hat das UK am 18. März seinen eigenen Abkommensentwurf an die EU geschickt. Der britische Text enthalte ein Freihandelsabkommen mit Anhängen sowie ein Abkommen zur Flugsicherheit und zum Luftverkehr und ein ziviles Nuklearabkommen. Aufgabe der Verhandlungsgruppen der EU und UK sei es nun, die Texte zu analysieren und sich auf die kommenden Gespräche vorzubereiten. Divergenzen sind besonders bei der Anerkennung von EU-Standards, dem sogenannten Level Playing Field, welches für die Unternehmen besonders wichtig ist, sowie der Fischerei deutlich. Während die EU ein umfassendes Abkommen anstrebt, bevorzugt das UK sektorale Abkommen, also unterschiedliche Verträge für einzelne Branchen wie Handel, Dienstleistungen oder Fischerei.
 
 
Europäische Kommission veröffentlicht Hinweise für Unternehmen
Aufgrund der Schwierigkeiten bei den Verhandlungen u. a. durch Divergenzen in verschiedenen Bereichen sowie den Verzögerungen bei den Verhandlungen durch die Corona-Krise informiert die Europäische Kommission in neu veröffentlichten „Notices“ über wirtschaftsrelevante Auswirkungen nach dem Ende der Übergangsphase. Dabei handelt es sich u. a. um die Bereiche: Luftverkehr, Luftfahrtsicherheit, Kosmetische Produkte, Lebensmittel, Lebensmittelrecht, Pflanzengesundheit und Industrielle Produkte.
 
Europäisches Parlament: Neue Übersicht über den Stand der Brexit-Verhandlungen
Das Europäische Parlament informiert auf seiner Webseite über die aktuellen Entwicklungen bei den Brexit-Verhandlungen. In einem Briefing werden sowohl Hintergründe als auch der aktuelle Stand der Verhandlungen sowie die Positionen der EU erläutert. Die Auswirkungen eines Szenarios mit als auch ohne Abkommen und deren wirtschaftliche Auswirkungen werden genauso thematisiert wie der gegenwärtige Handel zwischen der EU und dem UK.
 
Hintergrundinformationen
Brexit-Umfrage der Bergischen IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid
Laut einer Umfrage der Bergischen IHK vom 11. März blicken die meisten Unternehmen im Städtedreieck Wuppertal-Solingen-Remscheid gelassen auf den Brexit. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen gab an, dass sie bereits seit mehr als zehn Jahren gute Handelsbeziehungen zum UK führen würden. Nur wenige Unternehmen vermeldeten dabei einen Abbruch zuvor bestehender Handelsbeziehungen zu ihrem britischen Partner. Besonders intensiv seien die Geschäftsbeziehungen in den Branchen der Automobil-, Metall- und Maschinenzulieferer und des metallverarbeitenden Gewerbes. Die meist genannten Vorkehrungen für den Brexit sind laut Befragten: Unternehmensinterne Schulungen zu zollrechtlichen Regeln beim Warenverkehr mit sogenannten Drittstaaten und Lagervergrößerungen beziehungsweise -aufstockungen im UK.
 
Statistisches Bundesamt: Rückgang der Exporte im Januar
Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes vom 9. März sind die deutschen Exporte im Januar 2020 um 2,1 Prozent, im Vergleich zum Januar 2019, zurückgegangen. Gründe liegen in den weltweiten Handelsstreitigkeiten sowie dem Brexit. Insgesamt wurden im Januar Waren im Gesamtwert von 106,5 Milliarden Euro ins Ausland exportiert. Auch die Importe sanken gegenüber dem Vorjahr um 1,8 Prozent auf 92,7 Milliarden Euro. Ein besonders starker Rückgang wurde beim Außenhandel mit dem UK verzeichnet. Im Januar 2020 wurden in das UK Waren im Wert von 5,9 Milliarden Euro exportiert, was einem Rückgang von 16,3 Prozent gegenüber Januar 2019 entspricht. Die Importe aus dem UK stiegen um 14,5 Prozent mit einem Wert von 3,6 Milliarden Euro an. Das UK wird ab dem Berichtsmonat Februar 2020 zudem in die Ländergruppe „Drittstaaten“ fallen.
 
UK: Ausschuss für Nordirland-Angelegenheiten leitet Untersuchung der Zollpläne ein
Laut einer Mitteilung des britischen Ausschusses für Nordirlandfragen vom 5. März hat der Ausschuss eine Untersuchung über die Auswirkungen der neuen Zollregelung auf den Handel zwischen Nordirland und dem restlichen UK eingeleitet. Hintergrund ist, dass Nordirland zum Ende der Übergangszeit immer noch zum Zollgebiet des UK gehören wird, aber weiterhin die EU-Zollvorschriften befolgen werde. Eine mögliche Konsequenz wäre ein erhöhter bürokratischer Aufwand insbesondere für Unternehmen im Handel zwischen Nordirland und dem restlichen UK. Der Ausschuss für Nordirlandfragen würde dazu das Nordirland-Protokoll im Detail prüfen.
 
Brexit trübt Stimmung in der britischen Ernährungswirtschaft
Laut der neuesten Umfrage der britischen Food & Drink Federation (FDF) Ende Februar hat die Unsicherheit über die künftigen Handelsbeziehungen des UK mit der EU die Stimmung getrübt. Aufgeschobene Brexit-Fristen hatten die Unternehmen verunsichert und zudem die Lagerhaltung stark erhöht. Zusätzlich kam es zu einem Einbruch der Investitionen der Lebensmittelbranche. So wurden im 2. Quartal 2019 600 Millionen Pfund investiert, was dem niedrigsten Stand seit dem 1.Quartal 2014 entspricht. Besonders Mittelständler befürchten demnach nach der Übergangsphase nichttarifäre Handelshemmnisse wie u. a. abweichende Standards oder Dokumentationspflichten sowie verlängerte Transportzeiten bei Frischware. Im Zeitraum von Januar bis November 2019 gingen 60 Prozent der Lebensmittelexporte in die Europäische Union. Deshalb sei ein umfangreiches Handelsabkommen mit der EU besonders wichtig für die britische Ernährungswirtschaft.
 
Brexit: UK will sich nicht mehr am Gemeinschaftspatent beteiligen
Die britische Regierung will sich laut Berichten von Anfang März nicht mehr am Gemeinschaftspatent sowie am Unified Patent Court System (UPC) beteiligen. Ein Sprecher des Premierministers sagte: „Die Beteiligung an einem Gericht, das EU-Recht anwendet und vom Europäischen Gerichtshof kontrolliert wird, ist nicht vereinbar mit unserem Ziel, eine unabhängige, sich selbst regierende Nation zu werden.“ Als Konsequenz wird somit unter anderem der vorgesehene Standort der für Pharmazie zuständigen Abteilung des Gemeinsamen Patentgerichts in London hinfällig.
 
Herausforderungen für die britische Industrie
In einem Artikel vom 17. März berichtet GTAI über den derzeitigen Zustand der britischen Industrie und deren Herausforderungen. Diese würden vor allem in der geringen Produktivität und dem Brexit liegen. Die Unsicherheiten über die zukünftigen Handelsbeziehungen hemmten die Investitionsbereitschaft der Unternehmen deutlich. Die britische Industrie trug 2019 im Vergleich zu Deutschland (19,6 Prozent) nur 8,6 Prozent zum eigenen Bruttoinlandsprodukt bei. Dennoch lag sie 2019 im europäischen Vergleich mit einer Wertschöpfung von 217 Milliarden Euro auf Platz vier (hinter Deutschland, Italien und Frankreich). Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft zufolge würde das britische Produktionsniveau zwischen 26 und 29 Prozent unter dem deutschen Produktionsniveau liegen.
 
Studie: Harter Brexit verteuert Lebensmittel
Laut einer Studie der University of Warwick vom 11. März würde es ohne ein Abkommen nach dem Ende der Übergangsphase zu einer starken Verteuerung von Nahrungsmitteln kommen. Im Falle eines No-Deals würde eine Familie bis zu 50,98 Pfund mehr pro Woche für Lebensmittel zahlen. Sollte ein Abkommen bis Jahresende stehen, ist mit Mehrkosten von bis zu 5,80 Pfund zu rechnen. Im UK ist aufgrund der großen Abhängigkeit von Nahrungsmittel-Importen mit erheblichen Mehrkosten in diesem Sektor zu rechnen.
 
Volkswirtschaftliche Kennzahlen Großbritannien
Deutsche Ausfuhren
Quelle: DeStatis, eigene Berechnungen)
 
DIHK-Kommentar: Bis zum Jahr 2015 war Großbritannien ein Wachstumstreiber für die deutsche Exportwirtschaft. Seit nunmehr 4 Jahren sind die Exporte nach UK rückläufig – sie sanken um 12 Prozent. Waren es im Jahr 2015 noch fast 90 Mrd. Euro sind es im Jahr 2019 nur noch 79 Mrd. Euro. In die EU-Staaten ohne UK ergibt sich für den Zeitraum von 2015 - 2019 ein Plus von 16 Prozent. Unterteilt nach Warengruppen ist besonders der gesamte Fahrzeugbau betroffen. Hier summiert sich das Minus auf 2,5 Mrd. Euro.
 
 
Das deutsch-britische Handelsvolumen betrug im Jahr 2019 117 Mrd. Euro. Damit liegt UK nur noch auf Rang 7 der wichtigsten deutschen Handelspartner (2017 Rang 5; 2018 Rang 6).
 
Wechselkurs Pfund-Euro
(Quelle: finanzen.net; Stand: 16.03.20)
 
 
 
DIHK-Kommentar: Die aktuellen Unsicherheiten rund um die Corona-Krise und um den weiteren Verlauf des Brexit belasten den Pfundkurs schwer. Dies verteuert Importprodukte und führt zu höheren Einkaufspreisen für Unternehmen in Großbritannien sowie zu geringeren Konsumspielräumen für Verbraucher.
 
Bruttoinlandsprodukt Großbritannien
(Veränderung ggü. Vorjahr bzw. Vorquartal in %; saison- und preisbereinigt;
Quelle: Office for National Statistics UK; *IMF-Prognose Januar 2020)
 
DIHK-Kommentar: Das britische Bruttoinlandsprodukt stieg im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent. Damit lag es 0,4 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt des vergangenen Jahrzehnts. Deutschland wuchs im vergangenen Jahrzehnt um jährlich 2,0 Prozent. Für die kommenden Jahre rechnet der IWF mit einem Wachstum von 1,4 Prozent bis 1,5 Prozent.
 
Gewerbliche Investitionen Großbritannien
(Veränderung ggü. Vorjahr bzw. Vorquartal in %, saison- und preisbereinigt;
Quelle: Office for National Statistics UK)
 
DIHK-Kommentar: Die gewerblichen Investitionen sind im Jahr 2018 um 1,5 Prozent gesunken. Im Jahr 2019 reichte es nach vorläufigen Schätzungen für einen Anstieg um 0,3 Prozent. Der Trend zeigt aber klar nach unten: In Q4 2019 sanken die Investitionen um 1 Prozent.
 
Rangfolge der wichtigsten deutschen Handelspartner
(Rangfolge bezogen auf das Handelsvolumen, in Mrd. EUR, Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnung)
 
Zahlen des IWF für das Vereinigte Königreich
(Quelle:IMF World Economic Outlook Oktober 2019, BIP Update Januar 2020)
 
Informationen direkt aus London erhalten Sie auch auf der Homepage der Deutsch-Britischen AHK.
 
Weitere Informationen finden Sie beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie:
Brexit-Hotline: 030-340 6065 61, E-Mail: brexit@buergerservice.bund.de
 
 
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