11. Juli 2019 
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Frau Winkler,
 
so gern man Gefahren und Risiken in seinem Leben ausblenden möchte: Sie sind trotzdem noch da. Also sollte man sie in den Griff bekommen. Sowohl Menschen als auch Unternehmen sind Risiken ausgesetzt, die sie nur zum Teil selbst beeinflussen können. Wer zum Beispiel mit dem Rauchen aufhört, kann ein längeres Leben genießen. Wer jedoch als Unternehmer vom Brexit betroffen ist oder mit Donald Trump zu tun hat, raucht vielleicht zurzeit noch mehr als sonst.
 
In dieser Ausgabe von Wirtschaftszeitung Weekly widmen wir uns sowohl Risiken, denen Unternehmer im Privatleben ausgesetzt sind als auch Gefahren, die Anlegern an der Börse drohen. Und eine Premiere dürfen wir auch feiern: Mit Viktoria Dankerl beantwortet eine Unternehmerin die „Drei Fragen an…“.
 
Einen informativen Start in den Tag!
Lesen Sie heute im Wirtschaftszeitung Weekly
»Die großen Liquiditätsrisiken für Familien
»Drei Fragen an Viktoria Dankerl
»Politik als Gefahr für die Börse
»Ostbayern kompakt
»Was bringt künstliche Intelligenz dem Mittelstand?
Editorial-Autor
Wirtschaft aus der Region
Drei Liquiditätsrisiken für Familien
Generationenberatung wird immer wichtiger: Auch verschiedene Szenarien und Schicksalsschläge sollte man in die Finanzplanung einbeziehen. 
 
Ostbayern. Gut ausgestattet mit einem bezahlten Einfamilienhaus, Vermögen und viel Zeit für Genuss und Freizeit – so stellen sich viele ihren Lebensabschnitt nach dem Erwerbsleben vor. Doch es lauern neue Risiken in den nächsten Jahren, die alle eines gemeinsam haben: Sie betreffen die ganze Familie, sind aber vermeidbar. Die Expertin Margit Winkler vom Institut Generationenberatung (IGB) benennt drei große Liquiditätsrisiken und zeigt Lösungen auf.
 
Liquiditätsrisiko 1: Pflegefall
Die Politik will bessere Bedingungen für Alten- und Krankenpfleger, Berufsbetreuer, Ärzte und pflegende Angehörige durchsetzen. Gleichzeitig wird sich die Anzahl der Bedürftigen in den nächsten drei Jahrzehnten dramatisch erhöhen. „Im Pflegefall sind die Kosten schon jetzt extrem hoch und aus laufenden Einnahmen selten zu stemmen. Wer sich selbst nicht kümmert, muss in Kauf nehmen, dass dann die Kinder als bevollmächtigte Personen oder als Betreuer vor dem Problem stehen“, erklärt Margit Winkler.
 
Jedoch könnten Menschen, die sich damit rechtzeitig auseinandersetzen, Lösungen finden und die Organisation der Finanzen übernehmen. „Partner und Familie werden es ihm danken, denn damit ist klar, wie in schwierigen Lebenssituationen zu verfahren ist“, sagt Winkler. Wer sich lediglich auf sein Vermögen verlasse, laufe dagegen Gefahr, dass es sich aufbraucht. „Dann müssen die eigenen Kinder bis zum Tod zahlen“, sagt die IGB-Expertin. Sie geht davon aus, dass jeder Pflegefall etwa 100.000 Euro in fünf Jahren koste. „Kinder – egal wie alt – erwarten immer, dass die Eltern die Vorsorge treffen. Sind die Finanzen für die Pflege nicht geklärt, kommt bei Kindern häufig das Gefühl auf, dass diese Belastung bei ihnen hängenbleibt und sie zahlen müssen: aus dem Erbe oder wegen Elternunterhalts“, sagt Winkler. Um das zu vermeiden, sei beispielsweise eine zusätzliche private Pflegeversicherung anzuraten.
 
Liquiditätsrisiko 2: Pflichtteil
Das Berliner Testament ist oftmals noch Usus. Damit werden die Kinder im ersten Erbgang nicht berücksichtigt und der noch lebende Ehegatte erhält zunächst das gesamte Vermögen. Nicht selten klagen Kinder innerhalb von drei Jahren auf den Pflichtteil. Der Ehegatte muss damit den Betrag aufbringen. Bei einer Gütergemeinschaft kann das bis zu einem Viertel des Nachlasses des Verstorbenen sein. „Wenn, wie so oft, der größte Vermögensteil aus Immobilien besteht, kann die Situation so schwierig werden, dass das Haus verkauft werden muss. Wenn Kinder den Pflichtanteil einklagen, muss der überlebende Ehepartner bei Zugewinngemeinschaft 25 Prozent des Nachlasses verfügbar haben“, sagt Winkler. Eine Risikoversicherung auf den Todesfall oder die Begünstigung eines Anlageproduktes könne Konflikte vermeiden und eine effektive Lösung darstellen.
 
Liquiditätsrisiko 3: Erbschaftsteuer
Von dieser Steuer sind nicht nur Superreiche betroffen. Gerade die Babyboomer mit Immobilienwerten und wenigen Kindern verschaffen dem Staat am Ende beträchtliche Steuereinnahmen. „Durch das beliebte Berliner Testament müssen noch mehr Steuern gezahlt werden, denn der Freibetrag für ein Elternteil wird damit glatt verschenkt. Und steigende Immobilienwerte führen zudem zu höheren Erbschaftsteuerzahlungen“, betont Winkler und ergänzt: „Doch auch hier gilt: Handelt man klug durchdacht, bleibt mehr Geld in der Familie und muss nicht an Vater Staat abgegeben werden. Vor allem, wenn Häuser zum Vermögen gehören, sollten frühzeitig Experten herangezogen werden.“
 
Empfehlenswert seien Anlageprodukte für Schenkungen, Begünstigungen und Vertragsspaltungen. „Im Beratungsprozess wird dies beim Testament angesprochen und es werden Lösungen wie Quoten- und Rentenübertragungen vorgeschlagen. Daneben können Möglichkeiten des Immobilienübertrags erörtert werden“, erläutert die IGB-Expertin. (xbf)
 
Drei Fragen an Entscheider der Region
Drei Fragen an Viktoria Dankerl
Viktoria Dankerl im Interview
Mit Geschäftsführerin Viktoria Dankerl hat bereits die dritte Generation in der Michael Dankerl Bau GmbH die Führung übernommen. Das Unternehmen in Willmering ist eines der führenden Bau- und Generalunternehmen in der Region.
 
Welche unternehmerischen Herausforderungen beschäftigen Sie aktuell? 
 
Derzeit beschäftigen wir uns vor allem mit den Themen Digitalisierung und dem viel zitierten Fachkräftemangel. Die Zusammenführung verschiedener Anwendungen, die Vernetzung unserer Mitarbeiter im Innen- und Außendienst, der schnelle und reibungslose Informationsaustausch aller Projektbeteiligten und die Optimierung interner Prozesse stehen derzeit an. Mit „Lehrlingsbaustellen“ und Schulprojekten möchten wir überholten Vorurteilen gegenüber einer bautechnischen Ausbildung entgegenwirken. Hierbei stellen wir die Vielseitigkeit und die durchaus sehr anspruchsvollen Tätigkeiten am Bau dar und wecken somit bereits früh das Interesse am Handwerk.
 
Wie binden Sie Ihre Mitarbeiter ans Unternehmen? 
 
Unsere Mitarbeiter schätzen, dass wir die Werte und Vorteile eines familiengeführten Unternehmens zeitgemäß leben. Zufriedene und motivierte Mitarbeiter sind für mich die Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg und unser wichtigstes Kapital, denn nur Mitarbeiterzufriedenheit schafft auch Kundenzufriedenheit. Offenheit seitens der Unternehmensführung und auch die Bereitschaft zuzuhören und auf individuelle Belange einzugehen, spielen hierbei eine zentrale Rolle. Um in punkto Work-Life-Balance mit großen Industriebetrieben mithalten zu können, versuchen wir darüber hinaus die Arbeitszeiten soweit wie möglich flexibel zu gestalten.
 
Was macht einen guten Unternehmer aus? 
 
Ein guter Unternehmer zeigt durch sein tägliches verantwortungsvolles Handeln, dass er sich gleichermaßen für sein Kapital, seine Mitarbeiter und die Gesellschaft einsetzt. Er wird zukünftig immer mehr zum lösungsorientierten Akteur in Bezug auf zwischenmenschliche Aspekte, wirtschaftliche Triebkraft, Risikoträger und nicht zuletzt sozial Verantwortlicher – und das alles mit dem Spagat zwischen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit. Dieses Konzept muss aber auch offen und transparent im Unternehmen gelebt werden.
 
Politik als Gefahr für die Börse
Die Mehrheit der Aktienindizes befindet sich im zweistelligen Plus. Doch Frühindikatoren und Investorenumfragen deuten auf unruhigere Zeiten hin. 
 
Ostbayern. Der Volatilitätsindex des DAX VDAX NEW, der europäische VSTOXX und sein US-Pendant VIX offenbaren mit Werten um 15 Punkte vor allem eines: Trotz einiger Intraday-Bewegungen im Mai ist der Stand der Schwankungsbarometer relativ niedrig. „Es scheint, als sei wieder Ruhe eingekehrt“, sagt Harald Bareit, geschäftsführender Gesellschafter der „Investmentboutique“ QC Partners. Seiner Meinung nach sollten Anleger die gute Stimmung aber mit Vorsicht genießen.
 
„Im Jahr 2017 war der VDAX NEW mit 10,5 Volatilitätspunkten noch auf seinem Allzeittief und kletterte im Folgejahr in zwei Phasen bis auf 40 Volatilitätspunkte“, sagt er. Trotz der derzeit relativ niedrigen Werte steige das durchschnittliche Niveau der Schwankungsbreiten in der Tendenz seit rund zwei Jahren an. „Wir sehen zudem ein erhebliches Auseinanderlaufen der Indizes mit Messgrößen, die den Grad politischer Unsicherheiten weltweit dokumentieren, etwa dem von Stanford-Ökonomen entwickelten Economic Policy Uncertainty Index“, sagt Bareit.
 
Niedrigzins treibt Aktienmärkte
Um besser zu verstehen, wie professionelle Anleger die Verfassung der Finanzmärkte interpretieren, hat QC Partner für die Fachpublikation „IPE Institutional Investment“ einige Investoren zu den wahrgenommenen Risiken befragt. Das Ergebnis: 70 Prozent der institutionellen Investoren und Vermögensverwalter gehen davon aus, dass der Handelskonflikt zwischen den USA, China und Europa in unmittelbarer Zukunft den stärksten Einfluss auf die Schwankungsbreite an den Märkten haben wird. Für diese Befürchtung gibt es durchaus Indizien: So hat US-Präsident Donald Trump unlängst mit neuen Zöllen in Höhe von 300 Milliarden US-Dollar gedroht.
 
Als weiterer Belastungsfaktor ist ein zunehmend angespanntes Verhältnis zwischen den USA und dem Iran hinzugekommen. Jeder zweite Investor nannte auch die mit dem Brexit verbundenen Risiken, 32 Prozent und damit jeder Dritte die Dynamik der Unternehmensgewinne. Die aktuellen Entwicklungen in Italien sowie die mangelnde Stabilität des Bankensystems folgten in der Einschätzung der Investoren mit deutlichem Abstand (23 beziehungsweise 19 Prozent). Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege der Flossbach von Storch AG, meint hierzu: „Den politischen Risikofaktoren, allen voran der Auseinandersetzung zwischen den USA und China, steht die Niedrigzinspolitik der großen Notenbanken entgegen. Sie ist derzeit der große Treiber an den Märkten.“
 
Allerdings scheinen die Märkte laut QC Partner an einer Stelle angekommen zu sein, an der ein weiterer Kursanstieg kein Selbstläufer mehr ist. „Alles Positive ist bereits in die Kurse eingepreist. Saisonalität und Markttechnik sprechen für weitere Korrekturen", sagt Matthias Schmidl, Abteilungsleiter Wertpapiere der Sparkasse Regensburg. Außerdem seien die Bewertungen der Kurs-Gewinn-Verhältnisse zwischenzeitlich gestiegen. „Weiter sinkende Gewinne dürften hier jedoch wieder für einen Anstieg sorgen", so der Experte. (xbf)
 
Ostbayern kompakt
Bahnhof beim Regensburger Gewerbepark? 
 
Regensburg. Was lange währt, wird am Ende endlich gut. Der Walhalla-Bahnhof, der derzeit noch verwaist direkt neben dem Gewerbepark liegt und von den Zügen aus Richtung Schwandorf links liegen gelassen wird, soll wiedereröffnet werden. Die Gespräche zwischen Stadt Regensburg, Bayerischer Eisenbahngesellschaft und Verkehrsministerium scheinen auf der Zielgeraden. Und doch gibt es im Hintergrund einige Kalamitäten: Die Planungskosten in Höhe von 500.000 Euro sind bislang noch nicht gedeckt. Nach Informationen der Mittelbayerischen hat der Freistaat über das Verkehrsministerium angeboten, 150.000 Euro davon zu decken. Doch die Stadt verweist bei den Restkosten darauf, dass die Deutsche Bahn zuständig sei. Ein Grund, das wichtige Verkehrsprojekt weiter zu verzögern? Nein, denn die Wirtschaft springt ein. Für den anrainenden Gewerbepark ist der Bahnhof ein zentrales Instrument, um den Verkehrskollaps zu verhindern. „Für den Gewerbepark und die 6.300 Mitarbeiter der hier ansässigen Unternehmen ist die Schaffung des Bahnhaltepunkts von enormer Bedeutung“, sagt Roland Seehofer, Geschäftsführer des Gewerbeparks. Seehofer kann bestätigen, „dass sich der Gewerbepark Regensburg an den Investitionen für das Projekt in der Startphase geringfügig beteiligt“. Der Gewerbepark habe auch angeboten, die Zwischenfinanzierung zu übernehmen, bis die Maßnahme in vollem Umfang in die Budgets aufgenommen wird.
 
Grammer baut auf China 
 
Amberg. Der Automobilzulieferer Grammer AG erwartet dank seines neuen Mehrheitseigners bessere Geschäfte in China. Wie der scheidende Vorstandsvorsitzende Manfred Pretscher im Exklusiv-Interview mit unserem Medienhaus sagte, erleichtere die Zusammenarbeit mit Ningbo Jifeng den Zugang zum Markt. Grammer profitiere obendrein von dessen Know-how in der Produktion von Kopfstützen. Die Amberger Grammer AG beschäftigt weltweit gut 16.000 Mitarbeiter, davon gut 3.000 in Deutschland. Das Unternehmen produziert für Automobile Kopfstützen, Mittelkonsolen und Abdeckungen. Für Nutzfahrzeuge entstehen Sitze (Gabelstapler, Lkw, Busse, Züge, Baumaschinen). Mehrheitseigner ist die chinesische Ningbo Jifeng mit 84 Prozent Anteil.
 
Danhauser Gruppe bleibt in der Hagebau 
 
Regensburg. Die 14 Baumärkte und Bauzentren der Danhauser Gruppe in der Oberpfalz und in Oberfranken haben neue Eigentümer. Fünf bayerische Gesellschafter der Hagebau übernehmen die Mehrheit an der Gruppe mit insgesamt 650 Beschäftigten und Auszubildenden. Die Beteiligungsgesellschaft der Hagebau beteiligt sich ebenfalls. Damit bleibt das Unternehmen als Einheit erhalten und weiter Gesellschafter der Hagebau-Gruppe, teilt die Holding mit. Ein Konsortium von fünf bayerischen Hagebau-Gesellschaftern erwarb die Mehrheit der Danhauser Gruppe: Bauzentrum Mayer GmbH & Co. KG in Ingolstadt, Hans Batzner GmbH in Ebern, Segl Bauzentrum GmbH in Eging am See, Artinger & Ohneis GmbH & Co. KG in Neufahrn sowie Schneider GmbH in Erlstätt. Die Hagebau beteiligt sich über ihre Beteiligungsgesellschaft BBG an der Danhauser Gruppe. Über den Kaufpreis sowie über die Beteiligungsverhältnisse im Detail wurde Stillschweigen vereinbart. Zudem steht der Verkauf unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch das Bundeskartellamt.
 
Stanglmeier feiert bewegte Firmengeschichte 
 
Abensberg. Ihr 100-jähriges Bestehen feiert die Bauunternehmung Stanglmeier aus Abensberg (Landkreis Kelheim) an diesem Wochenende. „Wir haben eine gute Auftragslage“, sagt Geschäftsführer Leonhard Wiedemann. In diese positive Stimmung mischen sich aber auch Probleme – vor allem personeller Art. Der Fachkräftemangel ist ein Thema, da in naher Zukunft erfahrene Mitarbeiter ausscheiden werden. 250 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen aktuell. In den 1980er Jahren waren es bis zu 1200. Ende der 1980er Jahre verkaufte der Unternehmer Josef Stanglmeier die Firma, 2002 erwarben die Eheleute Christiana und Peter Leitenmaier, Unternehmer aus dem bayerisch-schwäbischen Ziementshausen, die Stanglmeier-Gruppe.
 
Weitere Wirtschaftsnachrichten aus der Region finden Sie unter: w w w. mittelbayerische. de/wirtschaft
 
Themen im Fokus
Was bringt KI dem Mittelstand?
Die Technologie eröffnet neue Möglichkeiten, zum Beispiel im Kundenservice. 
 
Für viele Menschen ist das Thema künstliche Intelligenz mit Unbehagen verbunden. Tatsache ist: Unternehmen eröffnet diese Technologie unzählige Möglichkeiten, Prozesse zu optimieren und neue Geschäftsmodelle zu generieren. Auch mittelständische Unternehmen in Deutschland zeigen sich offen gegenüber den Möglichkeiten der Zukunft. Laut der Expertenumfrage „Künstliche Intelligenz im Mittelstand“, die vom Wissenschaftlichen Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) durchgeführt wurde, sehen Experten aus Forschungs- und Transferinstitutionen sowie Verbänden besonders große Chancen in:
 
der Optimierung der Distribution und Logistik,
einer gesteigerten Preiseffizienz,
einer zielgenaueren Werbung sowie
einem verbesserten Kundenservice.
 
Wenn Maschinen sich selbst fortbilden
Doch was genau verbirgt sich hinter dem Trendwort KI? Gemeinhin gelten technologische Lösungen als „künstlich intelligent“, wenn sie fähig sind, Daten nach der Eingabe zu interpretieren und darauf basierend die Ausgabe zu optimieren. In der öffentlichen Diskussion taucht oft auch der Begriff maschinelles Lernen auf. Dabei entwickeln Lernalgorithmen aus Beispielen ein komplexes Modell, das anschließend auf neue Daten derselben Art angewendet werden kann. Solche Modelle können Vorhersagen treffen oder Entscheidungen generieren – ganz ohne zuvor festgelegte Regeln. Streng genommen ist maschinelles Lernen ein Teilbereich der künstlichen Intelligenz.
 
KI eröffnet neue Chancen in vielen Bereichen
Die Fähigkeit, große Datenmengen zu analysieren und verborgene Muster zu erkennen, macht KI-Anwendungen für vielfältige Einsatzgebiete interessant. So ermöglicht die vorausschauende Wartung von Produktionsmaschinen im Bereich der Fertigung eine verbesserte Anlagennutzung, da Ausfallzeiten auf ein Minimum reduziert werden. Die Qualitätskontrolle durch eine automatische, visuelle oder akustische Fehlererkennung ermöglicht eine deutliche Qualitätssteigerung und reduziert den Ausschuss. Auch im Bereich der Geschäftsprozesse ergibt sich eine Menge Potenzial. So lässt sich durch die Prognose von Kundenwünschen die Lieferkette optimieren – das spart Lagerhaltungskosten und eröffnet neue Dimensionen einer individualisierten Kundenansprache.
 
Den Mittelstand erwarten Hürden, aber auch Lösungen
So verlockend die mit KI einhergehenden Chancen klingen, ist ihr tatsächlicher Einsatz kein Selbstgänger. Eine mangelnde Datenbasis, Bedenken bei der Datensicherheit und fehlende Fachkräfte sind Hindernisse für die KI-Implementierung. Gerade für mittelständische Unternehmen können hier Plattformen, die Daten aus verschiedenen Quellen zusammenführen, eine Lösung sein. Fehlt das Know-how zur Entwicklung eigener KI-Anwendungen, bieten cloudbasierte KI-Anwendungen die Möglichkeit, einzelne Dienstleistungen zu buchen. Grundsätzlich gilt: Jedes Unternehmen sollte die Einsatzoptionen und Voraussetzungen von KI-Anwendungen fallbasiert prüfen. Gleichzeitig gilt es, die Mitarbeiter zu schulen, um das KI-Potenzial entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu nutzen und im Wettbewerb zu bestehen – ob national oder international.
(dpa)
 
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Experten-Tipps: So gelingt der Einstieg in künstliche Intelligenz 
 
Technologien, die auf künstlicher Intelligenz (KI) basieren, können die IT-Infrastruktur eines Unternehmens auf den Kopf stellen, ihre Implementierung kann jedoch aufwendig und teuer sein. Die folgenden fünf Tipps helfen beim KI-Einstieg.
 
 » konstruktionspraxis. vogel. de
 
Umfrage: DACH-Mittelstand investiert in Personalisierung und künstliche Intelligenz 
 
Personalisierter E-Commerce gewinnt deutlich an Bedeutung, wie eine aktuelle Umfrage unter 750 Business- und IT-Führungskräften im gehobenen deutschsprachigen Mittelstand (mindestens 50 Millionen Euro Umsatz) zeigt. Dafür sind unter anderem Investitionen in künstlicher Intelligenz nötig, zum Beispiel in Form von Chatbots oder virtuellen Personal Shoppern.
 
 » it-zoom. de
 
Was ist der Unterschied zwischen künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen? 
 
Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen werden oft im Sprachgebrauch synonym verwendet. In Wirklichkeit ist maschinelles Lernen nur eine Kategorie von künstlicher Intelligenz. Zudem gibt es keine exakte Definition für Intelligenz. Ein Überblicksartikel beschreibt die Gemeinsamkeiten und Unterschiede, erklärt wie Maschinen lernen und erläutert, weshalb ML-Systeme oft als Black-Boxes bezeichnet werden.
 
 » futurezone. de
 
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