10. Oktober 2019 
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Frau Althaller,
 
frei nach Loriot: Ein Leben ohne Internet ist möglich, aber sinnlos. Dies gilt umso mehr für Firmen und Unternehmen. Denn ohne Website oder Webshop unterwegs zu sein kann sich heutzutage kaum noch jemand leisten. Ebenso wenig leisten können sich im Internet präsente Firmen jedoch eine mangelhafte Cyberabwehr, wie eine neue Studie zeigt. In der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftszeitung Weekly erfahren Sie, wie eine wirksame Cyberabwehr-Strategie aufgebaut werden kann.
 
Darüber hinaus geht es um das Thema Berufsunfähigkeitsversicherung und die Tatsache, dass Handwerker oftmals eine wesentlich höhere Prämie zahlen müssen als Vertreter anderer Berufsgruppen.
 
Im Interview erklärt Alexander Eckert Freiherr von Waldenfels, Vorstandsvorsitzender der Dr. Robert Eckert Schulen AG, was ihn gegenwärtig besonders beschäftigt.
 
Starten Sie gut in diesen neuen Tag!
Lesen Sie heute im Wirtschaftszeitung Weekly
»Vor Gefahren aus dem Cyberraum schützen
»Drei Fragen an Alexander Eckert Freiherr von Waldenfels
»Berufsunfähigkeitsversicherung – zu teuer für manche Berufsgruppen?
»Ostbayern kompakt
»So bleibt die betriebliche Weihnachtsfeier steuerfrei
Editorial-Autor
Wirtschaft aus der Region
Vor Cybergefahren schützen
Hackerangriffe verursachen immense Kosten und Schäden. Ein wirksamer Schutz beinhaltet mehr als neueste Technologien. 
 
Heilbronn/Nürnberg. Es gibt Anfänger, Schüler und Experten – auch im Bereich Cyberschutz. Zumindest hat Hiscox, ein Spezialanbieter für Cyberversicherungen, im „Hiscox Cyber Readiness Report 2018“ europäische Unternehmen in diese Kategorien eingeteilt. 73 Prozent der befragten Unternehmen werden der Studie zufolge in der Kategorie Cyber-Anfänger verortet, nur elf Prozent hingegen in der Kategorie Cyber Experts.
 
Die Unternehmen sollten auch Angaben über die Kosten der Schadensfälle aufgrund von Cyberangriffen machen. Demnach kostete ein Sicherheitsvorfall im Schnitt fünf Millionen Euro. Die teuersten Angriffe in der Gesamtstichprobe, die 4100 Unternehmen aus Großbritannien, den USA, Deutschland, Spanien und den Niederlanden umfasste, lag bei rund 25 Millionen Euro.
 
Ein wirksamer Cyberschutz beginnt mit einer sicheren IT-Infrastruktur, die individuell auf ein Unternehmen zugeschnitten sein muss. „Für die effektive Absicherung von Unternehmen findet man eine Vielzahl an Sicherheitslösungen und Optionen“, erklärt Cem Ünsal, Senior Consultant und TÜV-zertifizierter Cyber-Risk-Spezialist bei der Hoesch & Partner GmbH. „Die Schutzmöglichkeiten gegen Eingriffe in die IT sind vielschichtig und hängen auch von der Branche des jeweiligen Unternehmens ab. Eine pauschale Lösung für Unternehmen zu formulieren, ist aufgrund der individuellen Bedürfnisse der Unternehmen kaum möglich.“ Der Sicherheitsexperte empfiehlt Unternehmen daher, mit einem erfahrenen Systemhaus zu kooperieren, das sie bei der Planung und Konzeption einer ganzheitlichen IT-Sicherheitslösung begleitet.
 
Risikobewertung und Analyse
Ferner schlägt Hoesch & Partner in seinem Whitepaper „Cyber-Kriminalität – Bedrohungslage, rechtliche Situation und Maßnahmen zur Gegenwehr“ Unternehmen und anderen Organisationen folgende Vorgehensweise vor: Zunächst ist es nötig, eine professionelle Risikobewertung erstellen zu lassen. Dann gilt es, den optimalen Cyber-Versicherungsschutz durch Analyse der zu erwartenden Eigen- und Drittschäden sowie Kostenpositionen für die Wiederherstellung des Geschäftsbetriebs im Schadensfall zu ermitteln.
 
Unerlässlich ist auch die Berücksichtigung von Haftungsszenarien nach der aktuellen EU-DSGVO. Vierter und letzter Baustein ist die Schulung des Personals: Denn interne Verstöße durch unachtsames Vorgehen, schlechte IT-Infrastruktur und ungeschultes Personal stellen heute eine große Gefahr dar. Als Leitfaden bieten sich folgende Punkte an:
 
Zunächst sollte eine professionelle Risikobewertung erstellt werden.
 
Eine Analyse liefert die zu erwartenden Eigen- und Drittschäden sowie Kostenpositionen für die Wiederherstellung des Geschäftsbetriebes im Schadensfall.
 
Danach sollten die Haftungsszenarien nach der geltenden EU-DSGVO erstellt werden.
 
Als nächster Schritt folgt die Schulung des Personals.
 
Cybersicherheit ist also nicht nur die Aufgabe der IT-Abteilung, sondern die des gesamten Unternehmens und aller Mitarbeiter. Gerade die mit dem Internet verbundenen Arbeitsplatzrechner sind stets der Gefahr eines Hackerangriffs ausgesetzt. Der Grund: Sobald von einem infizierten PC auf kritische Systeme und Applikationen wie etwa Domain Controller, Datenbanken oder ERP-Systeme zugegriffen wird, sind zwangsläufig vertrauliche Daten sowie geistiges Eigentum des Unternehmens sofort gefährdet. (xbf)
 
Drei Fragen an Entscheider der Region
Drei Fragen an Alexander Eckert Freiherr von Waldenfels
Alexander Eckert Freiherr von Waldenfels im Interview
Alexander Eckert Freiherr von Waldenfels ist Vorstandsvorsitzender der Dr. Robert Eckert Schulen AG. An den 45 Standorten der Unternehmensgruppe durchlaufen über 7.500 Teilnehmer jährlich die Aus- und Weiterbildungsangebote.
 
Welche unternehmerischen Herausforderungen beschäftigen Sie aktuell? 
 
Im Vordergrund steht weiterhin, die Wachstumsstrategie der Eckert Unternehmensgruppe voranzutreiben. Traditionell besetzte Weiterbildungsaktivitäten werden ausgebaut und gleichzeitig neue Geschäftsfelder hinzugewonnen. Voraussetzung dafür ist die stetige Anpassung der Angebote an die Veränderungen in Wirtschaft und Technik. Konkret bedeutet dies derzeit vor allem eine intensive Auseinandersetzung mit den Folgen der digitalen Transformation. Bildungsinhalte und Methodik verändern sich grundlegend, deshalb zählt die Investition in neue Produkte und innovative Weiterbildungsformate aktuell zu den wichtigsten Aufgaben.
 
Wie binden Sie Ihre Mitarbeiter ans Unternehmen? 
 
Zwei Aspekte sind hier wichtig: Zum einen bieten wir unseren Mitarbeitern die Möglichkeit, Wissen und Erfahrungen an Bildungskunden weiterzugeben und dadurch einen Beitrag für deren berufliche Laufbahn zu leisten. Diese Form der Tätigkeit wird als sinnvoll und für Gesellschaft und Individuum wertvoll erlebt und führt zu einer starken Identifikation mit dem Unternehmen. Zum anderen legen wir Wert auf gegenseitiges Vertrauen und betonen die Zielverantwortung des Einzelnen für seinen Bereich. Das eröffnet einen beruflichen Handlungsraum, der sich individuell gestalten lässt. Flexible Arbeitszeiten, faire Bezahlung, Sicherheit des Arbeitsplatzes und vieles mehr gehören natürlich auch dazu.
 
Was macht einen guten Unternehmer aus? 
 
Ein Unternehmer sollte über ein ganzes Bündel an spezifischen Eigenschaften verfügen. Wahrscheinlich trägt diese Vielfalt sogar entscheidend dazu bei, dass unternehmerisches Engagement immer spannend ist. In der Weiterbildungsbranche werden kompetente Fachkräfte auch in Zukunft unverzichtbar sein. Professionelle Lehrkräfte, Dozenten, Trainer oder Coaches lassen sich nicht ersetzen, trotz aller Digitalisierung. Insofern zeichnet den guten Unternehmer vor allem Führungskompetenz aus. Teamorientiertes Agieren auf der Grundlage von Wertschätzung und Vertrauen den Mitarbeitern gegenüber ist gewiss von zentraler Bedeutung. Gelingen kann dies allerdings nur, wenn man als Unternehmer Empathie und eine gute Menschenkenntnis hat, damit man sich auf seine Personalentscheidungen verlassen kann. (by)
 
Alte Absicherung für neue Zeiten
Körperlich tätige Menschen sind in der Berufsunfähigkeitsversicherung benachteiligt. Passt das noch in die Arbeitswelt? 
 
Ostbayern. Die Versicherer für Berufsunfähigkeit (BU) reißen sich nicht gerade um Handwerker. Zu den besonders schlecht eingestuften Berufen gehören die Dachdecker. Ein 30-jähriger Dachdecker ohne jegliche Vorerkrankung muss für eine BU-Rente von 1.000 Euro etwas über 100 Euro im Monat zahlen. Aber selbst für Handwerksmeister, die überwiegend körperlich tätig sind, liegen die Prämien kaum niedriger.
 
In den vergangenen Jahren sind die Prämien vielfach weiter gestiegen. Dazu haben zum einen die niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten beigetragen. Zum anderen scheinen aber auch die körperlich Tätigen für viele Versicherer generell keine interessante Zielgruppe mehr zu sein. Da ihr Anteil an den Erwerbstätigen zurückgegangen ist und die Zahl der Schreibtischarbeiter zugenommen hat, ist das Marktpotenzial bei Menschen mit körperlicher Beschäftigung kleiner geworden. Zugleich ist auch das Risiko für Berufsunfähigkeit bei verschiedenen Krankheiten für Handwerker höher als für im Büro Tätige.
Ein Trend auf dem Markt der BUs sind spezielle Angebote für bestimmte Berufe. Dabei dominieren Angebote für Akademiker. So bietet die Allianz eine BU für Mitglieder im Bund der Steuerberater, Anwälte und Wirtschaftsprüfer, die HDI Deutschland AG für Mitglieder in einem Anwaltsverein. Andere Versicherer locken mit Sondertarifen für Ärzte und Wirtschaftsingenieure.
 
Bezahlbare Konditionen möglich
Auch die Angebote mit wenigen Gesundheitsfragen, die den Abschluss einer BU erleichtern, wenden sich überwiegend an Akademiker oder zumindest an Menschen, die nicht körperlich tätig sind. Diese Tarife sind besonders für Menschen mit Vorerkrankungen interessant. Hier besteht für sie eher die Möglichkeit, eine BU zu bezahlbaren Konditionen abzuschließen.
 
In der heutigen Zeit wechseln Arbeitskräfte immer häufiger ihren Beruf oder machen sich selbstständig. So kann jemand sein Berufsleben im Büro beginnen, arbeitet später jedoch als Krankenpfleger oder Handwerker. Trotzdem bleibt seine günstige Einstufung als nicht körperlich Tätiger erhalten. Bei vielen Tarifen muss der Berufswechsel nämlich nicht angezeigt werden, sodass sich auch die Prämien nicht ändern. Versicherungen, bei denen der Berufswechsel immer angezeigt werden muss, sind nicht zu empfehlen.
 
Seit August 2019 gibt es ein Angebot, das der heutigen Situation vieler Selbstständiger und Arbeitnehmer stärker gerecht wird. Die Zurich Versicherung will nämlich ganz auf die Einstufung in Berufsgruppen verzichten. Stattdessen soll die tatsächlich ausgeübte Beschäftigung zum Maßstab werden. „Ein gelernter Industriemechaniker kann beispielsweise in Abhängigkeit vom Grad und der Anzahl von Weiterbildungsmaßnahmen im Laufe seines Lebens unterschiedliche Tätigkeiten ausüben“, sagt Jacques Wasserfall, Vorstand Leben der Zurich Gruppe Deutschland. Man darf gespannt darauf sein, wie der neue Tarif angenommen wird. (xho)
 
Ostbayern kompakt
Continental-Mitarbeiter protestieren in Roding 
 
Roding. Rund 400 Beschäftigte fanden sich nach einem Appell der IG Metall am Dienstag vor den Toren des Continental-Werks in Roding zusammen. Sie protestierten gegen die vor zwei Wochen verkündeten Schließungspläne. Politik- und Kirchenvertreter zeigten sich solidarisch und unterstützten den Kampf um die Arbeitsplätze. Neben Landrat Franz Löffler waren auch die Bundestagsabgeordneten Marianne Schieder und Karl Holmeier, wie auch der Landtagsabgeordnete Dr. Gerhard Hopp dabei. Landrat Franz Löffler und Rodings Bürgermeister Franz Reichold erklärten in ihren Beiträgen, die Mitarbeiter seien bereits dafür qualifiziert, was für einen Technologiewandel benötigt werde.
 
Trotz Flaute noch keine neuen Schulden 
 
Regensburg. Handelskonflikte oder der Brexit sorgen für Unsicherheiten an den Märkten. Auf Regensburg als Industriestandort mit vielen international agierenden Firmen wirken sich diese Entwicklungen direkt aus. Etwa in Form von 50 Millionen Euro weniger Gewerbesteuer auf dem städtischen Konto als erwartet. Dem Entwurf des Investitionsprogramms für die Jahre 2019 bis 2023, den Wirtschafts- und Finanzreferent Dieter Daminger jetzt den Ausschüssen zur Vorberatung vorlegte, ist das aber nicht anzumerken. Regensburg will trotzdem viel Geld ausgeben: 721,3 Millionen Euro bis zum Jahr 2023. Damit legt Daminger zwar seit Jahren erstmals ein Programm vor, das weniger üppig ausfallen könnte als das aktuelle. Zum Vergleich: Das Rekordprogramm aus dem vergangenen Jahr lag bei 748,8 Millionen Euro. Dennoch übersteigt das erwartete Gesamtvolumen das von 2017. Damals waren es 619,4 Millionen Euro.
 
Sparprogramm bei BMW 
 
Regensburg. Sparmaßnahmen bei BMW: Der Münchner Autobauer will bei Tausenden Mitarbeitern Gehalt und Arbeitszeit kürzen. Das kann bei einigen der mehr als 5.000 Betroffenen Einbußen von 10.000 bis 14.000 Euro im Jahr bedeuten, wie die „Wirtschaftswoche“ als erste berichtete. BMW kommentierte die Zahlen nicht, bestätigte aber, dass es bei den Gesprächen über das Sparpaket auch darum gehe, die Zahl der auf 40 Stunden aufgestockten Verträge zu reduzieren. Der Betriebsrat hat Widerstand angekündigt. Am Standort Regensburg beschäftigt BMW rund 9000 Mitarbeiter, in Wackersdorf sind es 3.000 Angestellte. Bei BMW in Regensburg wollte man die Entwicklungen auf Anfrage noch nicht kommentieren. Hintergrund der Debatte ist, dass hochqualifizierte Mitarbeiter bei BMW die tarifliche Arbeitszeit von 35 auf 40 Stunden erhöhen können und dann entsprechend mehr Geld bekommen. Dies setzt voraus, dass Unternehmen und Mitarbeiter dies wollen und ist üblicherweise auf zwei Jahre befristet. BMW will nun viele dieser Vereinbarungen nicht verlängern. Bei dem Sparpaket geht es außerdem um eine Reduzierung der Jahresboni und einen Abbau von Zeitarbeit, zudem sollen frei werdende Stellen nicht nachbesetzt werden.
 
Steuerbefreit in die Arbeit radeln 
 
Regensburg. Wer mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, tut nicht nur der eigenen Gesundheit und der Umwelt Gutes. Das Treten auf zwei Rädern kann sich auch auf der Lohnsteuerabrechnung auszahlen. Seit Anfang des Jahres gilt eine Steuerbefreiung für Dienstfahrräder. Konkret bedeutet das: Stellt der Arbeitgeber einem Mitarbeiter ein Fahrrad kostenfrei zur Verfügung, das dieser auch privat nutzen darf, muss der Beschäftigte den geldwerten Vorteil nicht mehr versteuern. Diese Regelung gilt, wenn der Arbeitgeber das Fahrrad kauft, ebenso wie bei Leasing-Verträgen. In der Region kommt die Regelung gut an, bei der Wirtschaft wie beim Radverband. Martin Kammerer, Geschäftsführer des IHK-Gremiums Regensburg, betont die Vorteile: „All diese Maßnahmen können Mitarbeiter und Unternehmen zum Umstieg auf das Fahrrad, ÖPNV oder mehr PKW-E-Mobilität bewegen.“ Laut Kammerer würden sie zur besseren Verteilung des Verkehrsaufkommens auf verschiedene Verkehrsmittel beitragen. Bisher werden die steuerbefreiten Bikes von einzelnen Arbeitgebern in der Region angeboten, etwa der Maschinenfabrik Reinhausen und dem Regensburger BMW-Werk.
 
Diskussion zur Wirtschaftskraft 
 
Regensburg. Ist Regensburgs Steigflug vorbei? Diese Frage wird im Zentrum einer großen Podiumsdiskussion stehen, die die Mittelbayerische in Zusammenarbeit mit dem Theater Regensburg veranstaltet. Wurde in Zeiten des Aufstiegs nicht genug in die Zukunft geblickt? Kann Regensburg heute noch sicherstellen, auch folgenden Generationen eine lebenswerte Stadt zu hinterlassen? Und was muss passieren, damit das gelingt? Darüber werden wir am 19. Oktober im Theater am Bismarckplatz diskutieren. Neben Wirtschaftsreferent Dieter Daminger werden Prof. Dr. Joachim Möller, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Uni Regensburg, Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz und Kelheim, und Prof. Markus Emde, Inhaber der Professur für Entwerfen und Konstruieren an der OTH Regensburg, auf dem Podium Platz nehmen. Interessierte können sich ab sofort per Mail an rg@mittelbayerische.de oder per Telefon unter (09 41) 20 73 41 anmelden.
 
Weitere Wirtschaftsnachrichten aus der Region finden Sie unter: w w w. mittelbayerische. de/wirtschaft
 
Themen im Fokus
So bleibt die Betriebsfeier steuerfrei
Um zusätzliche Belastungen zu vermeiden, sollten Unternehmen bei der Ausrichtung von Feiern einige Dinge beachten. 
 
Im Herbst ist in vielen Betrieben die Vorbereitung für die jährliche Weihnachtsfeier schon im vollen Gange. Mit solchen Betriebsfeierlichkeiten bringen Unternehmen gegenüber der Belegschaft häufig ihren Dank für die geleistete Arbeit zum Ausdruck. Allerdings sollten sie darauf achten, dass diese Anerkennung nicht zu umfangreich ausfällt: Überschreiten die Kosten für die Feier den Betrag von 110 Euro pro Teilnehmer, entfällt nicht nur der Vorsteuerabzug, sondern es wird auch zusätzliche Lohnsteuer fällig. Für die Gewährung dieses Freibetrages von 110 Euro pro Teilnehmer muss es sich außerdem um eine Betriebsveranstaltung handeln: Der Gesetzgeber definiert diese als Ereignis "auf betrieblicher Ebene mit gesellschaftlichem Charakter". Die Anwesenden müssen daher überwiegend Betriebsangehörige und deren Begleitpersonen sein. Zudem sollte die Veranstaltung grundsätzlich allen Arbeitnehmern offenstehen.
 
Freigrenze bei Umsatzsteuer
Für den Veranstalter − in diesem Fall das Unternehmen – ist ein Vorsteuerabzug für die Kosten der Feier unter den allgemeinen Voraussetzungen nur zulässig, wenn die Bruttoaufwendungen unter 110 Euro pro Teilnehmer liegen. Übersteigen die Kosten diesen Betrag wird von einer überwiegend "durch den privaten Bedarf des Arbeitnehmers veranlassten unentgeltlichen Zuwendung" ausgegangen, bei der ein Vorsteuerabzug nicht möglich ist. Der Betrag ist eine Freigrenze. Das bedeutet, dass der Vorsteuerabzug für die gesamten Aufwendungen entfällt, wenn sie überschritten wird.
 
Freibetrag bei Lohnsteuer
Der Bruttowert von maximal 110 Euro pro Gast greift auch bei der Frage, ob für die Teilnahme an einer Betriebsfeier zusätzliche Lohnsteuer fällig wird. Dabei ist die Summe ein Freibetrag: Überschreiten die Pro-Kopf-Ausgaben diese Grenze, so zählen sie als geldwerter Vorteil für den Mitarbeiter − für jeden Cent, der über den Freibetrag hinausgeht, müssen Unternehmen und Mitarbeiter Lohnsteuer sowie Sozialabgaben entrichten. Anstelle dieser Regelbesteuerung können Unternehmen für ihre Mitarbeiter allerdings einen pauschalen Steuersatz von 25 Prozent anlegen. Das erspart der Personalabteilung einen potenziell beträchtlichen Aufwand bei der Neuberechnung der Lohnsteuer.
Bei der Berechnung des Freibetrages werden alle Ausgaben für die Feier zu gleichen Teilen auf die anwesenden Gäste aufgeteilt. Dazu gehören neben den Verpflegungskosten unter anderem die Saalmiete, das Unterhaltungsprogramm sowie Transportkosten. Wichtig dabei ist: Ausgaben für eine Begleitperson fließen in den Freibetrag des Mitarbeiters ein, der die Begleitung mitbringt, sodass pro Hauptgast und seine Begleitung daher 55 Euro zur Verfügung stehen. So wird es wahrscheinlicher, dass die anteiligen Kosten den Freibetrag pro Person überschreiten. Zur Dokumentation beim Finanzamt sollten Arbeitgeber in jedem Fall eine Gästeliste anlegen, die von allen Teilnehmern unterschrieben wird. (dpa)
 
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Handelskammer Hamburg: Steuerliche Behandlung von Betriebsfeiern 
 
Betriebsfeiern wie Betriebsausflüge, Weihnachtsfeiern oder Jubiläumsfeiern zielen darauf ab, den Kontakt der Arbeitnehmer untereinander zu fördern und damit das Betriebsklima zu verbessern. Sie stehen somit im überwiegenden Interesse des Arbeitgebers.
 
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Das Bundesfinanzministerium hat die Regeln zur Lohn- und umsatzsteuerlichen Behandlung von Betriebsveranstaltungen zusammengefasst. Als rechtliche Grundlage dient das "Gesetz zur Anpassung der Abgabenordnung an den Zollkodex der Union und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften".
 
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