12. Dezember 2019 
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Guten Morgen Herr Herold,
 
der Fachkräftemangel ist in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Themen in der Wirtschaft geworden. Die Versuche, die Firmen und Organisationen unternehmen, um neue Mitarbeiter zu mobilisieren sind entsprechend vielfältig. Eines davon ist das Teilhabechancengesetz, das vor einem knappen Jahr vom Bundestag verabschiedet worden ist. Wir haben in dieser Ausgabe des Wirtschaftszeitung Weekly ein Fazit gezogen.
 
Beim zweiten Projekt stehen Schüler im Fokus, die innerhalb kurzer Zeit mehrere Unternehmen kennenlernen können – und die Firmen können sich ebenfalls einen Eindruck verschaffen und auf diesem Weg vielleicht den nächsten Azubi finden.
 
Und wenn wir schon bei der Jugend sind: Wir erklären auch, wie die Generation Z tickt und warum sie die Personalabteilungen so beschäftigt.
 
Einen informativen Start in den Tag!
Lesen Sie heute im Wirtschaftszeitung Weekly
»Teilhabechancengesetz: Ein Fazit
»Drei Fragen an Robert Beer
»Mit einem Sprung ins Unternehmen
»Ostbayern kompakt
»Die Generation Z will umworben sein
Editorial-Autor
Wirtschaft aus der Region
Positive Bilanz nach einem Jahr
Das Teilhabechancengesetz gilt seit Januar 2019 und soll Langzeitarbeitslose endlich in Lohn und Brot zu bringen. Zeit für die erste Zwischenbilanz. 
 
Regensburg/Kelheim. Trotz der guten Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt gibt es immer noch knapp 700.000 Langzeitarbeitslose. Als solche gelten Personen, die ein Jahr oder länger bei der Agentur für Arbeit als arbeitslos gemeldet sind. Und je länger die Suche nach Arbeit erfolglos bleibt, desto schwieriger wird der Weg zurück in eine geregelte Beschäftigung.
 
Hier setzt das Teilhabechancengesetz an, das vor einem knappen Jahr vom Bundestag verabschiedet worden ist. Es unterstützt Arbeitslose auf zwei Arten: Zum einen richtet sich das Gesetz an Menschen, die bereits seit mindestens zwei Jahren arbeitslos sind. Stellt hier ein Unternehmen einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz zur Verfügung, beteiligt sich die Agentur für Arbeit mit einem Lohnkostenzuschuss von 75 Prozent im ersten Jahr und 50 Prozent im zweiten Jahr des gezahlten Arbeitsentgelts. Daneben können anfallende Kosten für ein beschäftigungsbegleitendes Coaching sowie für Weiterbildungskosten übernommen werden.
 
Die zweite Art der Förderung kommt Menschen zugute, die über 25 Jahre alt sind und in den vergangenen sieben Jahren mindestens sechs Jahre Leistungen nach dem SGB II – sprich Hartz IV – bezogen haben. Die Förderung kann hier noch deutlich ausgeweitet werden, indem beispielsweise Lohnkostenzuschüsse in einem Umfang von bis zu fünf Jahren gezahlt werden. Die ersten beiden Jahre zahlt die Agentur für Arbeit den anfallenden Lohn gar zu 100 Prozent.
 
Ein guter Anfang ist gemacht
In den Monaten Januar bis November 2019 konnten laut Agentur für Arbeit deutschlandweit bisher 36.100 Eintritte in das Regelinstrument Teilhabe am Arbeitsmarkt gezählt werden. Im Monat entspricht das durchschnittlich 3.300 bundesweit bewilligten Förderungen. In Bayern wurden im selben Zeitraum circa 2.700 Arbeitslose durch das neue Gesetz gefördert – in Regensburg kommt man 2019 auf rund 85 Förderfälle.
 
„Die Bilanz des Teilhabechancengesetzes ist eine sehr positive“, sagt Johann Beck, Leiter der Agentur für Arbeit in Regensburg. „Man darf nicht vergessen, dass hinter jedem Förderfall ein Mensch mit besonderem Schicksal steht. Jetzt hat uns der Gesetzgeber ein Instrument an die Hand gegeben, um Menschen zu helfen, die aus verschiedenen Gründen aus dem Berufsleben ausgeschieden sind und nur schwer den Weg zurückfanden.“ Und Beck ergänzt: „Uns ist bewusst, dass nicht von heute auf morgen alle Betroffenen, die zum Teil sehr lange dem Arbeitsmarkt fern waren, in diesen integriert werden können. Aber es lohnt sich für jeden Betroffenen, für die Allgemeinheit und auch für die Unternehmen, keinen Menschen aufzugeben.“
 
Bekanntheitsgrad steigern
Auch Melanie Mirwald, Geschäftsführerin des privaten Bildungsträgers M&N aus Kelheim, sieht das Teilhabechancengesetz positiv: „Insgesamt lässt sich sagen, dass wir bereits mehrfach Langzeitarbeitslose in den Arbeitsmarkt integrieren konnten. Für das erste Jahr ist dies mit Sicherheit ein Erfolg, der weiterhin ausbaufähig ist und bei steigendem Bekanntheitsgrad mit Sicherheit noch mehr Potenzial bietet.“
 
Denn, so Melanie Mirwald, am Bekanntheitsgrad des noch recht jungen Gesetzes müsse noch ein wenig gearbeitet werden. „Schade ist, dass viele Betriebe und auch Bewerber oftmals zu wenig informiert sind und nicht wissen, dass solche Hilfsmittel existieren. Wenn der allgemeine Kenntnisstand hier besser wäre, würden vielleicht auch viele Betriebe von sich aus aktiv auf die Jobcenter oder Bildungsträger zugehen und nach geeigneten Kandidaten fragen. So erleben wir sehr oft überraschte Reaktionen und Rückfragen auf die Förderdauer und -höhe, die schlussendlich sehr positiv ausfällt.“ (ar)
 
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Drei Fragen an Entscheider der Region
Drei Fragen an Robert Beer
Robert Beer im Interview
Robert Beer ist Inhaber der Robert Beer Investment GmbH aus Parkstein in der Oberpfalz und seit über 35 Jahren im Investmentbereich tätig. Betreut werden sowohl Privatkunden als auch institutionelle Investoren wie Pensionskassen, Stiftungen und Familienvermögen.
 
Welche unternehmerischen Herausforderungen beschäftigen Sie aktuell? 
 
Die zunehmende Regulatorik ist eine ständige Herausforderung. Die Robert Beer Investment GmbH wird fortlaufend von Bundesbank und Bafin geprüft, was aber auch einen hohen Qualitätsstandard sicherstellt. Eine Weiterentwicklung der Firma ist unabdingbar, dies gelingt jedoch nur durch intensive Forschungsarbeit. Dazu gehören ausgefeilte Datenbanken und das Entwickeln von leistungsfähigen Algorithmen, damit Fondsmanager fundierte Entscheidungen treffen können. Die Finanzwelt hat sich in den letzten 30 Jahren immer wieder radikal verändert. Die zehnjährige Bundesanleihe ist unter Schwankungen von neun Prozent auf aktuell minus 0,35 Prozent gefallen. Das hat auch das Anlegerverhalten beeinflusst. Unser oberstes Ziel ist der langfristige Vermögensaufbau. Momentan herrschen goldene Zeiten für den Kapitalanleger. Das wollen wir für unsere Kunden nutzen. Es besteht aber auch ein hoher Aufklärungsbedarf. Dieser Prozess muss mit engagierten Mitarbeitern begleitet werden.
 
Wie binden Sie Ihre Mitarbeiter ans Unternehmen? 
 
Die wichtigste Grundlage ist ein erfolgreiches Geschäftsmodell, denn das gewährleistet langfristige, reizvolle und sichere Arbeitsplätze. Darüber hinaus soll jeder entsprechend seinen Fähigkeiten und Interessen eingesetzt werden, sodass sich der Mitarbeiter im Rahmen seiner Aufgaben entfalten kann. Ansonsten ziehen alle an einem Strang. Das schafft ein angenehmes Arbeitsklima. Es gilt der Grundsatz „erst wer, dann was“. Das heißt, erst müssen die richtigen Mitarbeiter ausgewählt werden, dann geht es an die Projekte. Die Wertschätzung des Einzelnen hat einen hohen Stellenwert. Auch das soziale Umfeld jedes einzelnen Mitarbeiters ist uns wichtig. Wenn er zu Hause von den Kindern oder der Familie gebraucht wird, muss er frei bekommen. Wir versuchen, Urlaubswünsche zu berücksichtigen, und fordern keine Überstunden. Die Mitarbeiter sind dann zufrieden, wenn jeder das Gefühl hat, ein Teil des Unternehmenserfolges zu sein.
 
Was macht einen guten Unternehmer aus? 
 
Wesentliche Grundlage ist ein exzellentes Wissen im eigenen Fachbereich. Das Streben nach den besten Lösungen muss das Leitmotiv sein. Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und Sorgfaltspflicht müssen gelebt werden. Fleiß und Hingabe fürs Unternehmen und eine klare Strategie sind weitere wichtige Faktoren. Nachhaltiges Denken und langfristige besonnene Strategien sind kurzfristigem Agieren vorzuziehen. (to)
 
Mit einem Sprung ins Unternehmen
Beim Projekt „Sprungbrett“ können Firmen und Schüler sich unkompliziert kennenlernen. Es funktioniert nach dem Prinzip Hop-on, Hop-off. 
 
Ostbayern. Auf der Suche nach Azubis können Unternehmen verschiedene Wege gehen: Sie können Schulen und Messen besuchen, Werbung schalten und Social-Media-Kanäle bedienen. Sie können aber auch verschiedene Jugendliche aus allen Schularten einfach zu sich kommen lassen, um das Unternehmen und die einzelnen Berufe unverbindlich kennenzulernen. Am nächsten Tag kommen andere Schüler – und so geht das eine ganze Woche lang.
 
Das Projekt „Sprungbrett hop-on hop-off“ gibt es seit 2017. „Wir sind mit drei Durchläufen gestartet. Mittlerweile haben wir pro Jahr 14 Durchläufe, also 14 Praktikumswochen mit je zehn bis 15 Schülern in ganz Bayern“, erklärt Dirk Schönland, Pressesprecher von Schulewirtschaft Bayern im Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft e. V., das das Projekt ins Leben gerufen hat. In jedem Regierungsbezirk werden zwei Praktikumswochen absolviert. Mittelschulen, Realschulen und Gymnasien können an dem Projekt teilnehmen.
 
Individuelle Praktikumstage
Für 2020 sind wieder 14 Durchläufe geplant, diesmal in den Städten Amberg, Weiden, Bad Neustadt, Bamberg, Bogen, Coburg, Erlangen, Ingolstadt, Kempten, Marktheidenfeld, München, Passau, Schwabach und Schwabmünchen. Unternehmen aus allen Branchen können sich bewerben und freie Praktikumsplätze kostenlos einstellen.
 
„Das Unternehmen sollte bereit sein, eine Woche lang jeden Tag zwei bis drei neue Praktikanten aufzunehmen und zu betreuen“, sagt Dirk Schönland. Am besten funktioniert es, wenn die Praktikanten einen festen Ansprechpartner im Betrieb haben. Es sollten interessante Berufsbilder vorgestellt werden, die Schüler sollten möglichst viel in den Unternehmensalltag eingebunden werden. „Die Praktikumstage können jedoch von jedem Unternehmen individuell gestaltet werden, je nach personellen Kapazitäten“, sagt er.
 
Der Unterschied zum herkömmlichen Praktikum liegt in der Abwechslung: „Die Schüler lernen eine Woche lang jeden Tag ein neues Unternehmen und neue Berufsbilder kennen und schnuppern so in unterschiedliche Branchen. Sie werden mit dem Bus früh in die Unternehmen gebracht und abends wieder abgeholt“, erklärt Schönland. Auch der Ablauf der ganzen Woche wird für die Schüler organisiert.
 
Für Unternehmen sei das Projekt spannend, weil sie in relativ kurzer Zeit viele Jugendliche und somit potenzielle Azubis kennenlernen können. „Passt die Chemie, können nach der Praktikumswoche Anschlusspraktika vereinbart werden“, sagt der Pressesprecher. Bisher wurden bereits mehrere Praktika und Ausbildungsplätze vergeben. (by)
 
Weitere Infos gibt es auf sprungbrett-bayern. de
 
Ostbayern kompakt
Osram-Gewerkschaft fordert Investitionen 
 
Regensburg. Die IG Metall fordert vom neuen Osram-Eigentümer AMS Investitionen und den Erhalt von Jobs. „AMS hat nun die Verantwortung für die Arbeitsplätze und Standorte von Osram“, sagte Klaus Abel, Unternehmensbeauftragter der Gewerkschaft für den Lichtkonzern. „Wir werden mit aller Macht darauf drängen, dass gegebene Zusicherungen für die Arbeitnehmer rechtssicher eingehalten werden. Darüber hinaus werden Investitionen notwendig sein, um die Osram-Standorte zukunftsfähig zu machen.“ Der österreichische Sensorspezialist AMS hatte mitgeteilt, bei seinem Übernahmeangebot für Osram die angestrebte Schwelle von 55 Prozent überschritten zu haben. Die IG Metall kündigte nun an, mit AMS Zukunftsvereinbarungen abschließen zu wollen, „die den Beschäftigten die Möglichkeit bieten, die Zukunft mitzugestalten und sich entsprechend zu qualifizieren“. IG Metall und Osram-Konzernbetriebsrat hatten sich bis zuletzt gegen die Übernahme positioniert. Sie fürchten eine Zerschlagung, bei der letztlich die Mitarbeiter die Zeche zahlen würden. Osram-Chef Olaf Berlien warb in einer Nachricht an die Belegschaft dagegen für die Übernahme.
 
Teure Autos wieder gefragt 
 
Regensburg. Nach tiefen Einbrüchen geht es zum Jahresende bei Mercedes-Benz, BMW und Audi wieder aufwärts. Die drei Oberklasse-Autohersteller meldeten am Freitag steigende Verkäufe. Dabei lag Mercedes-Benz ein weiteres Mal vor dem Erzrivalen BMW, allerdings mit im Jahresverlauf bislang geschrumpftem Vorsprung. Auch die in besonders schwieriges Fahrwasser geratene Ingolstädter VW-Tochter meldete einen Aufwärtstrend. Seit Jahresbeginn hat Mercedes-Benz kumuliert 2,1 Millionen Autos verkauft – ein Plus von 1,4 Prozent, wie Daimler mitteilte. Die Stuttgarter liegen damit im bisherigen Jahresverlauf vor BMW, die knapp zwei Millionen Fahrzeuge ihrer Kernmarke absetzten, aber mit einem Plus von 2,4 Prozent bislang schneller zugelegt haben. Audi fährt deutlich langsamer hinterher, hat nach Firmenangaben im November aber noch die Trendwende geschafft: Von Januar bis einschließlich November verkaufte die VW-Tochter knapp 1,7 Millionen Fahrzeuge, ein leichtes Plus von 0,7 Prozent.
 
Ryanair zieht sich aus Nürnberg zurück 
 
Nürnberg. Nach der Ankündigung zur Schließung seiner Basis am Flughafen Nürnberg wird der irische Billigflieger Ryanair auch seine Flugzeuge vom schwedischen Flughafen Stockholm Skavsta abziehen. Im Oktober hatte die Fluggesellschaft bereits die Schließung des Angebots in Hamburg angekündigt, im vergangenen Jahr in Bremen. Ryanair veröffentlichte eine Information an Investoren, in der die Schritte ausschließlich mit Lieferengpässen bei der neuen Boeing 737 Max begründet werden. Die Flugzeuge sind derzeit nach Abstürzen in Äthiopien und Indonesien mit insgesamt 346 Toten mit einem weltweiten Flugverbot belegt. Ryanair hatte nach eigenen Angaben für Sommer nächsten Jahres 20 Maschinen bestellt und erhalte nur zehn. Demnach habe man die erwartete Passagierzahl von 157 Millionen auf 156 Millionen Fluggäste zurücknehmen müssen. „Dieser Engpass bei der Lieferung von Flugzeugen wird die Schließung zwei weiterer Basen im Sommer 2020 nötig machen – Nürnberg und Stockholm Skavsta“, heißt es in der Mitteilung. An weiteren Standorten werde es zu kleineren Kapazitätseinschränkungen kommen. Allein in Nürnberg sollen 120 Crewmitglieder betroffen sein, über ihre Zukunft machte Ryanair keine Angaben.
 
Gehaltssprung für Siemens-Chef 
 
Regensburg. Siemens-Chef Joe Kaeser hat im abgelaufenen Geschäftsjahr erstmals mehr als zehn Millionen Euro vom Konzern erhalten. Ihm flossen insgesamt 14,25 Millionen Euro zu, ein Plus von 48 Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht. Kaeser profitierte dabei allerdings von einem Sondereffekt: Weil 2015 die Haltefrist für Aktienoptionen verkürzt wurde, kamen dieses Jahr die Aktienpakete von zwei Jahren zusammen, wie Siemens erklärte. Kaesers Stellvertreter Roland Busch erhielt 7,3 Millionen Euro. Auch bei ihm kam der Sondereffekt zum Tragen. Ab Geschäftsjahr 2020 will das Unternehmen die Vergütung seiner Vorstände umstellen, um sie „stärker an der nachhaltigen Unternehmensentwicklung" auszurichten. Dabei werde der überarbeitete, künftige Deutsche Corporate Governance Kodex berücksichtigt, hieß es. Zudem sollen im neuen System neben der Entwicklung am Kapitalmarkt auch die Verringerung der CO2-Emissionen, die Fortbildung von Mitarbeitern und die Kundenzufriedenheit eine Rolle spielen.
 
Weitere Wirtschaftsnachrichten aus der Region finden Sie unter: w w w. mittelbayerische. de/wirtschaft
 
Themen im Fokus
Die Generation Z will umworben sein
Eine neue Generation betritt den Arbeitsmarkt. Sie bewegt sich im Netz wie keine andere vor ihr. Die Arbeitswelt muss sich darauf einstellen. 
 
Berlin/Regensburg. „Gen Z“ werden die Jugendlichen genannt, die um die Jahrtausendwende beziehungsweise im ersten Jahrzehnt der 2000er-Jahre geboren sind. Auch wenn der Buchstabe Z im Alphabet der letzte ist – in Sachen digitale Fähigkeiten ist die „Gen Z“ allen anderen Arbeitnehmergruppen weit voraus. „Sie ist die erste Generation, der der Umgang mit digitalen Technologien quasi in die Wiege gelegt wurde: Sie sind die ersten wahren Digital Natives“, sagt Martina van Hettinga, Managing Partnerin der Berliner Personalberatung I-Potentials.
 
Manche Forscher würden Vertreter dieser Generation aufgrund ihrer engen Beziehung zu ihren Smartphones sogar als „Cyborgs“ bezeichnen, als eine Mischung aus Mensch und Maschine, meint van Hettinga. „Zudem ist diese Generation, zumindest hier in Deutschland, in eine Zeit von historisch einmaliger wirtschaftlicher und politischer Stabilität hingewachsen und kommt in einer Phase auf den Arbeitsmarkt, in der im Prinzip Vollbeschäftigung herrscht.“
 
Hanna Heinrich, Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Sozial-, Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie der Universität Regensburg, beschäftigt sich intensiv mit der „Gen Z“. Sie gibt zu bedenken, dass Generationen keine homogenen Gruppen seien. „Immer wenn von generationenspezifischen Merkmalen die Rede ist, wird die Mehrheit einer Generation beschrieben“, sagt sie. Dennoch hätten Umstände wie neue Medien, Globalisierung, politische Unsicherheiten, Terrorismusgefahr und der Klimawandel eine ganze Generation geprägt und sich so zentrale Werte herausgebildet, die auf viele Jugendliche zuträfen.
 
Eine fordernde Generation
„Behalten die aktuellen Jugendstudien Recht, bringt die jüngste Generation viele positive Eigenschaften mit wie etwa Disziplin, Anpassungsbereitschaft, aber auch den Drang, etwas zu verändern, sich mit gegenseitigem Respekt zu begegnen und Umwelt und Gesellschaft nachhaltig zu gestalten.“ Die Arbeitgeber müssten lernen, mit dieser selbstbewussten Generation und ihren Forderungen und Ansprüchen umzugehen. „Das mag der eine oder andere vielleicht als Schwierigkeit empfinden, weil es ohne Frage ein Umdenken oder die Veränderung bisheriger Vorgehensweisen bedeutet“, meint Heinrich. Die „Gen Z“ beschäftige jedenfalls die Personalabteilungen.
 
Das bestätigt auch Martina van Hettinga. „Gerade in Unternehmen, die ausbilden, steht das Thema im Fokus, wenn auch in erster Linie in Bezug auf das Arbeitgebermarketing“, sagt sie. Die Führungskräfte treibe das Thema aber auch aus einem anderen Grund um: „Ihre Kinder gehören der Generation Z an. Wir werden deshalb auch oft gefragt, was ihre Kinder denn studieren sollen, welche Fähigkeiten in Zukunft wichtig werden.“
 
Doch wie lassen sich die besten Köpfe der Generation Z für ein Unternehmen gewinnen? Je nach Größe und Branche gibt es laut Hanna Heinrich verschiedene Punkte, an denen ein Unternehmen ansetzen kann. „Möchte man die Generation Z für sich gewinnen, sollte man bestimmte Kanäle nicht außer Acht lassen: Dazu zählen Karrierewebsites, die die Werte und Erwartungen der jüngsten Generation aufgreifen, oder authentische Recruitingvideos, die Bewerbern einen ehrlichen Einblick in den Arbeitsalltag und die Organisation geben“, erklärt die Psychologin.
 
Positives Arbeitgeberimage zählt
Auch sollten Unternehmen künftig mehr in „Digital Employer Branding“ investieren, um auf digitalen Kanälen ein positives Arbeitgeberimage aufzubauen und sich der jüngsten Generation in den sozialen Medien oder im Netz als glaubwürdige und attraktive Arbeitgebermarke zu präsentieren. Allerdings zeige sich im internationalen Vergleich, dass kleine und mittlere Unternehmen (KMU) hierzulande das „Digital Employer Branding“ noch zu wenig einsetzten und es so versäumten, ihre spezifischen Stärken wie kurze Entscheidungswege oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf selbstbewusst zu kommunizieren. „Es gibt in den deutschen KMU oft noch wenig Verständnis dafür, warum eine positive digitale Arbeitgebermarke so wichtig sein soll. Fakt ist jedoch, mit Statussymbolen lässt sich diese Generation kaum beeindrucken oder locken, da sie sich dafür viel zu wenig über materialistische Werte definiert“, sagt Heinrich.
 
Aber auch die Gen Z sei nicht ausschließlich auf digitalen Kanälen ansprechbar: „Eine Schlüsselrolle wird den Führungskräften zuteil, wie neueste Studien zeigen. Findet ein Vertreter der Generation Z in seiner Führungskraft einen Mentor, der ihn in seiner persönlichen Entwicklung fördert, kann dies sogar ein stärkerer Motivator sein, einen Job anzunehmen oder langfristig zu behalten, als die Tätigkeit selbst.“ Heinrich empfiehlt Arbeitgebern deshalb, im Wettbewerb um junge Nachwuchskräfte unbedingt auch auf charismatische Führungskräfte aus den eigenen Reihen zu setzen. (xrc)
 
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